Tag 2 – Wanderung vom Niederrhein ins Bergische Land

Veröffentlicht von

Der erste Tag meiner Wanderung liegt nun hinter mir. Zwei Tage Abenteuer warten noch auf mich.

Von den 105 Kilometern, die ich insgesamt zurücklegen möchte, bewältigte ich gestern knapp 40 km. Die Schilderung des ersten Wandertages findet Ihr hier.

Es schwirren mir aktuell einige Fragen im Kopf herum:

  • Was für Erlebnisse und Überraschungen hält Tag 2 wohl für mich bereit?
  • Wird es wieder regnen?
  • Wird das recht hohe Gewicht des Rucksacks körperlichen Tribut verlangen?

Heute Abend werde ich vermutlich um ein paar Antworten klüger sein …

Mitten in der Nacht

Gegen 3: 00 Uhr wache ich auf und verspüre einen mittelschweren Drang zu pinkeln.

„Wenn Du jetzt nicht gehst, bist Du spätestens in 1 Stunde wieder wach und musst dann raus!“

Mit diesem Gedanken im Kopf krieche ich aus meinem kuscheligen Schlafsack heraus.

Lange Unterwäsche

Ich schlafe im Schlafsack nur mit langer Unterwäsche. Da ich Merinowolle nicht so gut auf meiner Haut vertrage, habe ich mir synthetische Unterwäsche besorgt. Diese feiert heute Premiere.

Mein Schlafsack weist eine Komforttemperatur (für Männer) von minus 2 Grad auf.   

Beides zusammen (Schlafsack und Unterwäsche) harmonieren bisher – bei positiven 5 Grad Außentemperatur – sehr gut miteinander.

Mir ist nicht zu warm und mir ist nicht zu kalt. So soll es sein!

AUA 

Kaum habe ich mich aus dem Schlafsack gepellt, machen sich auch schon die niedrigen Nachttemperaturen bemerkbar.

„Brrrrrrr – schnell alles erledigen und dann wieder ab ins warme Säckchen!“

Da ich zum Pinkeln wieder ins Sanitär-Haus gehen muss, schlüpfe ich schnell in meine Wanderschuhe. Beim Anziehen merke ich allerdings bereits, das die obere Sehne am rechten Fuß arg schmerzt.

Auch das Herauskriechen aus dem Zelt schmerzt. Hierbei allerdings das linke Knie.

„Auweia! Das kann nachher ein schöner, zweiter Wandertag werden!“

Ich male mir auf dem Weg zum Sanitär-Haus bereits gedanklich aus, wie ich mich in ein paar Stunden unter Schmerzen zum Unterbacher See aufmache.

„Egal – erst einmal pinkeln, anschließend noch ein wenig schlafen und danach etwas frühstücken. Erst dann mache ich mir Gedanken, wie es heute wandertechnisch weitergeht.“

Mit diesem Gedanken im Kopf humpele ich wieder zurück zum Zelt. Erst beim Hineinkriechen in meinen Schlafsack fällt mir auf, dass es nicht mehr regnet.

„Sauber – so kann es weitergehen!“   

Mit dem Wissen, dass in einigen Stunden der Aufbruch in die zweite Runde ansteht , schlafe ich wieder ein.

Im Halbschlaf nehme ich ab und zu die Geräusche eines oder mehrerer Güterzüge wahr.

Das Rauschen der Autobahn stört erstaunlicherweise nicht mehr so stark.

Morgenstund

Gegen 07:30 Uhr werde ich wach. Ich spitze die Ohren und was höre ich?

Regentropfen – dicke Regentropfen, die auf mein Zelt prasseln.      

Das wird heute bestimmt wunderbar!

Es ist noch immer recht kühl. Schnell ziehe ich meine lange Unterwäsche aus und schlüpfe in meinen Wanderdress. Die Katzenwäsche will ich nach dem Frühstück hinter mich bringen.

Es folgt das Koch-Ritual. Gaskartusche nehmen, Brenner oben auf die Kartusche schrauben, Wasser in den Titantopf füllen, Topf auf den Brenner stellen und letztlich das Gas anzünden.

Innerhalb von ein paar Minuten steht ein leckerer Instant-Kaffee und später eine Portion Müsli vor mir.

Frühstück Wanderung Kann ein Morgen schöner beginnen?

Packen

Nach dem Frühstück und der Katzenwäsche steht das Packen des Rucksacks auf dem Programm.

Zunächst werden alle Ausrüstungsgegenstände in wasserdichten Packsäcken verstaut.

Dann wartet die Herausforderung, alle Packsäcke einigermaßen sinnvoll im Rucksack zu verstauen.

Das muss alles wieder in den Rucksack!

Mein persönliches Packsystem sieht vor, dass die Isomatte und die Kleidung ins untere Bodenfach kommen. Ins Hauptfach wird zunächst der Schlafsack gestopft. Darauf folgen dann die restlichen Packsäcke, wobei die schweren Dinge möglichst nah am Rücken positioniert werden. Außen am Rucksack wird das Zelt befestigt.

Mein Zelt (Modell „Merlin“ der Firma ROBENS) hat den Regentest der letzten Nacht tadellos bestanden. Im Innenzelt ist alles trocken geblieben.

Einzig am Fußbereich des Schlafsacks gibt es eine kleine, klamme Stelle. Das liegt aber wohl eher daran, dass ich im Schlaf mit den Füßen ans Innenzelt gekommen bin. Hierdurch wird vermutlich Kondensationsnässe an den Schlafsack gekommen sein.

Aufbruch

Nachdem alles verpackt ist, zeugt nichts mehr davon, dass DerSchulle diese paar Quadratmeter bewohnte. So soll es sein!

Hat hier jemand genächtigt?

Mittlerweile hat es aufgehört zu regnen.

Ich wuchte den Rucksack auf meine Schultern und stelle erfreut fest, dass er sich eine Idee leichter anfühlt als gestern. Das kann nur daran liegen, dass ein wenig Proviant verzehrt wurde und nun nicht mehr mitgeschleppt werden muss.

Noch mehr freue ich mich jedoch, dass ich beim Gehen kaum noch Schmerzen an Fuß, Knie oder Hüfte verspüre. Das sah heute Nacht noch  anders aus.

Nächtlicher Reparaturservice

Da hat der nächtliche Reparaturservice meines Körpers wirklich einen tollen Job gemacht!

Richtung LINTORF 

Auf asphaltierten Wegen geht es zunächst einmal Richtung Süden.

Nach einer halben Stunde überquere ich die A524 und komme in ein sehr schönes Waldgebiet. Dort begegnet mir das erste Mal eine Wegmarkierung des Neanderlandsteigs.

           

Am Wegesrand finden sich häufiger kleine Bachläufe. Deren Bewohner scheinen recht  zutraulich zu sein.

              Kröte

Immer wieder höre ich unverkennbare Flugzeuggeräusche. Der Düsseldorfer Flughafen scheint nicht weit entfernt zu sein.

Zwischenzeitlich ist die Sonne herausgekommen und lässt die Natur um mich herum in den schönsten Herbstfarben erstrahlen.

 Ist das nicht schön?!

Wer hätte das gedacht, nachdem es heute in den frühen Morgenstunden noch regnete!

Auf teils schmaleren Pfaden führt mein Weg durch Waldgebiet.

    

Ich habe wirklich nicht erwartet, dass mich zwischen dem Duisburger Süden und Ratingen eine solch wunderschöne Gegend erwartet.

TIEFENBROICH          

 Autobahnschild als Wegweiser

Nach 8 km befinde ich mich in unmittelbarer Nähe von Tiefenbroich.

Plötzlich geht es nicht mehr weiter. Eine Schranke versperrt mir den Weg.

         

Ich drücke also den „Knebel“ und bitte um Durchlass. Welch Wunder der Technik – die Schranke geht nach einer kurzen Wartezeit tatsächlich auf.

Die nächsten Kilometer streife ich durch ein sehr einsames Waldgebiet. Mit einem Blick in den strahlendblauen Himmel erkenne ich, dass über mir die Einflugschneise des Düsseldorfer Flughafens verläuft.

Einflugschneise Flughafen Düsseldorf

RATINGEN

Nach 2,5 Stunden erreiche ich ein Randgebiet von Ratingen.

Ich folge den Anweisungen meines Navigationsgerätes und erfreue mich am wirklich bombastischen Wanderwetter.

Unter anderem komme ich an einem sehr schönen Fachwerkhaus vorbei. Es handelt sich um die „Brücker Mühle“ aus dem 18. Jahrhundert.

      

Mein Weg führt mich auch durch Ratinger Stadt- und Wohngebiet.

     

Hier entdecke ich ein paar interessante Gesellen.

      

An Ratingens Stadtgrenze zeichnet sich am Himmel eine etwas beunruhigende Wetterentwicklung ab.

Da braut sich doch wohl nichts zusammen?!

„Nur kein Regen!“ flehe ich gen Himmel und hoffe, dass der leichte Wind die aufziehenden, dunklen Wolken vertreibt.

Plötzlich stehe ich vor riesigem Mutanten-Obst.

Wow – was für Obst!

„Ein Obstsalätchen wäre jetzt auch etwas Feines!“

Ein paar Meter weiter ziehen orangene und andersfarbige Farbklekse meine Aufmerksamkeit auf sich.

            

Ob man hier auch Kürbisse erhalten kann? 😀

Im Bauerngarten Benninghoven scheint sich in der Tat einiges um Kürbisse zu drehen!

Da sich an den Hofladen ein kleines Café anschließt, lege ich eine kurze Rast ein.

Am Waschbecken der dortigen Toiletten fülle ich meine Wasserflaschen auf und bestelle mir dann einen leckeren Kaffee.

Das tut gut …

KNITTKUHL

Vom Café aus führt mein Weg Richtung Knittkuhl.

Hier warten auch endlich mal ein paar Höhenmeter auf mich. Es sind keine steilen Anstiege, sondern schöne, langgezogene Bergaufpassagen.

Mit meinem „Leichtgewicht“ an Rucksack auf dem Rücken läuft es sich bergauf erwartungsgemäß nicht ganz so fluffig leicht.

Unterwegs stelle ich erneut fest, dass mich noch immer der Neanderlandsteig verfolgt. Oder folge ich ihm vielleicht unbewußt?

Markierung Neanderlandsteig Markierung Neanderlandsteig

Etwas irritiert bin ich dann von diesem Schild:

Vor Pferden wurde ich bisher noch nie gewarnt.

Auf abwechslungsreichen Wegen geht es weiter.

Die Gegend rund um Knittkuhl ist ebenfalls wunderschön.

         

LUDENBERG

Der nächste Ort heißt Ludenberg.

Hier darf ich mich an einem schicken Wohngebiet der etwas betuchteren Ludenberger erfreuen.

      

Auch in Ludenberg war anscheinend vor zwei Tagen Halloween.

Mit einem Blick auf meine GPS-Uhr stelle ich fest, dass bereits 21 km zurückgelegt sind. Wenn meine Planung stimmt, warten bis zu meinem Nachtlager am Unterbacher See nur noch knapp 14 weitere Kilometer auf mich.

GERRESHEIM

Ich nähere mich nun Gerresheim.

Unterwegs finde ich natürlich auch heute ein paar Hundeschilder für meine Sammlung.

        

Endlich darf ich wieder ein Stück auf unbefestigten Wegen wandern. Das ist jedes Mal eine Wohltat für die Füße.

         

Zwischendurch ist allerdings ein wenig Obacht gefragt, da eine Hühner-Mama anscheinend ihre Kleinen ausführt.

 Immer schön achtsam sein …

Ein weiteres Schild weckt meine Aufmerksamkeit und bringt mich zum Schmunzeln.

 Der Friedhof als Sackgasse … was für eine Schilder-Kombination! 😉

Die Nachmittagssonne läßt Dinge in der Landschaft immer wieder in einem interessanten Licht erscheinen.

irgendein Türmchen

Mein Weg führt mich dann tatsächlich am Gerresheimer Friedhof vorbei. Dort gelange ich in ein Waldstück und werde sofort auf kleine, eklige Blutsauger aufmerksam gemacht bzw. vor ihnen gewarnt.

              

ERKRATH

Nun bin ich bereits über 5 Stunden unterwegs und komme an Erkrath vorbei.

Auch hier soll ich anscheinend wachsam sein.

Wenn man sich offenen Auges durch die Gegend bewegt, entdeckt man links und rechts von sich wirklich viele, viele Kleinigkeiten.

Vor einem Gegenstand bleibe ich stehen und schaue ihn mir etwas genauer an.

 wie alt mag dieses Teil wohl sein?

An diesem Überbleibsel aus längst vergangenen Tagen lässt sich wunderbar erkennen, mit welch „simplen“ Dingen unser Leben lange Zeit wunderbar funktionierte. Man benötigte für den Transport mit solchen Fuhrwerken neben Zugtieren vor allem eines – Zeit.

Ich stehe vor diesem Fuhrwerk und gebe mich einem kleinen Tagtraum hin.

Vor meinem geistigen Auge rumpelt dieses Fuhrwerk einen unbefestigten Feldweg entlang. Auf der Ladefläche türmen sich knallig orangene Kürbisse. Die beiden Zugpferde trotten gemächlich daher. Ein junger Bursche sitzt oben auf und lenkt das Fuhrwerk. In einer Stunde will er mit seinen Kürbissen im Nachbarort sein und diese dort auf dem Wochenmarkt unters Volk bringen. Gut gelaunt pfeift er ein Liedchen vor sich hin.

Gedankenspiel     

Mir kommt bei dieser Träumerei  folgender Gedanke in den Sinn:

„Es war früher sicherlich nicht alles leichter und schöner als heute. Das Leben stellte damals – vor allem körperlich – oftmals harte Anforderungen an die Menschen. Hektik und Gehetztheit waren allerdings weitestgehend noch Fremdworte. Man lebte früher sicherlich entschleunigter und weniger gestresst, als es heute der Fall ist.“

Ich glaube, dass gerade diese Entschleunigung ein elementarer Grund dafür ist, dass mir das Wandern so viel Spaß bereitet und mir so viel gibt.

Wenn ich alleine durch die Gegend streife, bin ich aus der normalen Alltagswelt herausgerissen. Niemand will und erwartet etwas von mir. Nichts stresst oder nervt.

Das Hier und Jetzt zählt, wobei die Gedanken auch immer wieder mal um Vergangenes und Zukünftiges kreisen.

Vieles kann und darf – nichts muss. Es überkommt mich oftmals das Gefühl, mitsamt der Umgebung zu verschmelzen. Alles ist irgendwie im Fluss.

UNTERBACH

Über einige unbefestigte Wege nähere ich mich unaufhaltsam dem Ort Unterbach.

Am Ortsrand liegt der Unterbacher See, welcher das Ziel des heutigen Tages darstellt.

Langsam zieht die Dämmerung auf und ich muss im Wald genauer hinschauen, wo ich hintrete.

               

An einigen Stellen liegt verdammt viel Astwerk auf dem Boden herum.

Stolperfallen

Ich verlasse den bewaldeten Bereich und erhalte nun unübersehbare Hinweise hinsichtlich meines heutigen Zieles.

„Unterbach, ich komme!“ feuere ich mich innerlich an.

„Spätestens in einer Stunde steht Dein Zelt. Dann kannst Du lecker Happa-Happa zu Dir nehmen.“ Dieser Gedanke lässt mich ein bisschen schneller gehen.

Trotzdem entgehen mir die interessanten Dinge am Wegesrand nicht.

Zum Beispiel die leckere „Gans in der Ente“ … 

Oder ein Fortuna Düsseldorf Fan, der vor Wut rot angelaufen ist …

     

Zwischenzeitlich ist es dunkel geworden. Farbkleckse fallen aber trotzdem noch auf.

Im Lichtkegel meiner Stirnlampe erreiche ich den Campingplatz am Unterbacher See bzw. das Strandbad, welches direkt an den Campingplatz angrenzt.

An der Rezeption des Campingplatzes überreiche ich meine Platzgebühr von 14,50 EUR und erhalte eine kurze Einweisung auf dem Lageplan. Heute werde ich nicht persönlich zu meinem Zeltplatz geführt. Man kann halt nicht alles haben.

Ich durchquere den Campingplatz einmal der Länge nach und suche mir am äußeren Randbereich ein schönes Plätzchen für mein Zelt.

Dann heißt es wieder: Unterboden auslegen und Zelt aufbauen.

So langsam wird es Routine.

Auch das Auspacken meines Rucksackes und das Verteilen der Gegenstände im Zelt geht einfacher von der Hand als gestern. Ständiges Wiederholen ist manchmal sehr hilfreich …

     

Mittlerweile ist es empfindlich kühl geworden. In der Nacht sollen die Temperaturen auf + 1 Grad hinuntergehen. Da ich mich direkt am See aufhalte, ist die Luft zudem recht feucht.

„Jetzt erst einmal etwas Warmes in den Magen!“

Ich hole den Kocher hervor und erhitze mir wieder Wasser für meine Asia-Nudeln. Dazu gibt es die restlichen Falafel.

 mal wieder etwas Herzhaftes

Es ist 19:30 Uhr, als ich mein Abendessen beende.

„Jetzt noch schnell den Abwasch des Geschirrs und die obligatorische Katzenwäsche erledigen und dann gehst Du heute mal richtig früh in die Pofe!“

Letztlich liege ich um 20:00 Uhr in meinem kuscheligen Schlafsack. Es ist allerdings so kalt geworden, dass ich mir eine leichte Fleecemütze aufsetze.

1 Grad Außentemperatur ist doch schon verdammt nahe am Gefrierpunkt … 😀

Bevor ich in den wohlverdienten Schlaf gleite, lasse ich den heutigen Tag nochmals im Schnelldurchlauf Revue passieren.

  • Der Tag begann schmerzhaft und endete schmerzlos.
  • Das Wetter wechselte von grauenhaft in traumhaft.
  • Die Gegend war abwechslungsreich und hinterließ wunderbare Eindrücke.

Mehr kann und darf man von einem gelungenen Wandertag nicht erwarten, oder?!

Möge der morgige, letzte Wandertag ein schöner, runder Abschluß meines kleinen Wander-Abenteuers werden!

Mit einer großen Zufriedenheit und Dankbarkeit schließe ich die Augen und gleite in meinen wohlverdienten Schlaf.

Gute Nacht,

Euer Schulle

 

Kommentar verfassen