TAG 1 – Mehrtageswanderung Gardasee

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Donnerstag – TAG 1 meines kleinen Abenteuers am Gardasee.

Was steht heute an?

22,72 km Streckenlänge / Höhenmeter: insgesamt 1.606 hinauf und 663 hinunter

Der Wecker schellt um 7:00 Uhr. Freudig aufgeregt steige ich aus meinem Bett und schleiche leise in die Wohnküche unserer Unterkunft.

Dort steht bereits mein gepackter Osprey-Rucksack und auch meine Trekkingstöcke lachen mir voller Erwartung entgegen.

„Heute startet sie also – meine 5-tägige Solowanderung …“ geht es mir durch den Kopf.  Bei einem leckeren Morgenkaffee schaue ich mir die gesamte Wegstrecke durch das Gebirge zwischen Garda-, Idro- und Ledrosee nochmals genauer an.

„Insgesamt 130 km, 7.451 positive und 7.436 negative Höhenmeter sind für 5 Tage schon eine Menge Holz!“ murmele ich demütig in meine Kaffeetasse hinein. Mein Blick fällt hierbei rein zufällig auf meinen 20kg-Rucksack. Aus dem Augenwinkel meine ich erkennen zu können, dass er mir irgendwie hämisch zuzwinkert. 😉

Gegen kurz vor 9:00 Uhr breche ich auf. Meine Frau und Schulle Junior sind auch schon aufgestanden, um Vadder noch kurz zu verabschieden, bevor sie dann für die nächsten Tage sturmfrei haben.

Auf dem Weg nach Malcesine darf ich mich zunächst auf 5 flachen Kilometern entlang des Seeufers langsam eingrooven.

Malcesine Gardasee
Malcesine – ich komme …

Hier mache ich erstmals Bekanntschaft mit meinem schweren Rucksack.

„Och, hier im Flachen fühlt sich das ganz OK an …“ stelle ich erfreut fest.

Von Malcesine aus kann ich mit einer Fähre nach LIMONE SUL GARDA auf die andere Seite des Gardasees übersetzen. Da der Weg über das Wasser auch ca. 5 km beträgt, reduziert sich die heutige, restliche Wanderstrecke nach dem Übersetzen auf bescheidene 12,72 km – zumindest auf dem Papier sieht das bescheiden aus.

Eine kleine Herausforderung ist hierbei allerdings, dass sich die kompletten Höhenmeter (1.606 hinauf / 663 hinunter) eben auch nur auf diese 12,72 km verteilen.

Wanderung Gardasee
Route Tag 1

Diesen Gedanken verwerfe ich aber sofort wieder, da ich mir meine gute Laune nicht durch unnötiges Schwarzsehen verderben lassen möchte.

Um 09:42 Uhr erreiche ich die Fähre in Malcesine. Manchmal hat man halt etwas Glück und ich wähne mich unter einem guten Stern, da wir bereits 3 Minuten später ablegen.

Zu diesem Zeitpunkt war mir allerdings bereits klar, dass ich ab Ankunft in Limone Sul Garda ein wenig improvisieren muss. Meine daheim geplante Route auf der anderen Seeseite startet nicht ab Limone, sondern ab dem einige Kilometer entfernten Nachbarort  CAMPIONE DEL GARDA.  Bei meiner Routenplanung sah es für mich allerdings so aus, als wenn eine direkte Fährverbindung von Malcesine nach Campione Del Garda bestehen würde. Da hatte sich der Schulle offensichtlich ein wenig getäuscht. Somit muss ich noch kurz mit dem Bus nach Campione fahren, um dann dort meinem geplanten Track weiter zu folgen.

Beim Betreten der Fähre schleicht mir wieder eine kleine Gänsehaut der Vorfreude über den Körper.

Fähre Gardasee
Mit Vollgas Richtung Limone Sul Garda

Der Himmel am Gardasee ist heute Morgen etwas bedeckt und es weht eine steife Brise. Ich bin exakt der einzige Passagier auf dieser Fahrt nach Limone und suche mir ein schönes Plätzchen im Heckbereich der Fähre.

Um kurz nach 10:00 Uhr legen wir in Limone an und ich laufe zunächst einmal etwas ziellos durch die Gassen dieses schönen Ortes.

Nachdem mir mehrere Passanten keine Info bzgl. einer Bushaltestelle geben konnten, frage ich in einem Hotel nach und habe schließlich Erfolg.

Gegen 10:40 Uhr erkenne ich die Bushaltestelle, entdecke vorher aber noch ein schnuckeliges Cafè.

„Hier erst noch kurz ein Käffchen trinken und pinkeln. Danach schaue ich, wann der Bus kommt.“

Diese Vorgehensweise stellt sich als erster kleiner Fehler des noch jungen Tages heraus.

Als ich gegen 10:55 Uhr vor dem Fahrplan stehe, muss ich diesem entnehmen, dass mein Bus nach Campione vor 10 Minuten – während ich noch genüsslich an meinem Kaffee nippte – abgefahren ist.

„Egal – nimmst Du halt den nächsten Bus.“ lasse ich mir meine gute Laune nicht verderben.

Ich studiere den Plan nochmals genau, finde allerdings erst um 13:07 Uhr die nächste Busverbindung.

„Das kann doch nicht sein – 2 Stunden lang kein Bus?!“ entfährt es mir lautstark.

Mittlerweile hat sich eine jüngere deutsche Frau mit Ihrem Sohn dazugesellt. Beide finden die Wartezeit von 2 Stunden auf den nächsten Bus ebenfalls „spitzenmäßig“. Sie gehen allerdings nochmals in Limones Shoppingbereich, um die Zeit etwas zu überbrücken.

Bummel durch Limone Sul Garda

Ich lasse mich an der Bushaltestelle neben meinem schweren Rucksack nieder und beobachte ein wenig das geschäftige Treiben um mich herum.

Mittlerweile ist auch die Sonne rausgekommen und mir wird bereits mächtig warm. Gegen 12:15 Uhr kommen Mutter und Sohn wieder. Es entsteht zwischen uns eine nette Unterhaltung, wobei ich unter anderem erfahre, dass sie aus Dortmund kommen. Der kleine Mann besucht nach den Ferien die 3. Klasse und seine Mutter war kürzlich in Berlin auf einem Metallica-Konzert. Die Wartezeit vergeht wie im Fluge.

Der Bus kommt, wir steigen ein und knapp 10 Minuten später erreiche ich bereits Campione.

Kurz vor meinem Aussteigen äußert die sympathische Dortmunderin noch, dass sie nun doch neugierig ist, wie mein kleines Wanderabenteuer ausgehen wird.

„www.freiraumoutdoor.de – Ihr könnt dort bald einen Bericht finden!“ rufe ich beiden noch zu und stehe auch schon im Straßenstaub der Bushaltstelle.

WINKE WINKE zum Abschied und um 13:30 Uhr geht meine Wanderung nun endlich weiter.

Es warten nun auf den letzten 12 Kilometern dieser Tagesetappe 1.600 Höhenmeter bergauf und 600 bergab auf den Schulle und sein 20 kg Rucksackmonster (Infos zu meiner mitgeführten Ausrüstung hier).

Campione del garda, Gardasee
ab jetzt geht es hinauf …

„Boah – ist der Rucksack schwer!“ ächze ich nicht nur einmal, während ich mich mit extremem Stockeinsatz die serpentinenartigen Pfade hinaufwuchte.

Zwischendurch fällt mir immer wieder die ausgeprägte, italienische Religiösität ins Auge.

Zwischendurch bieten sich mir wunderschöne Ausblicke auf den Gardasee und die Umgebung.

Gardasee

Es geht durch wirklich schnuckelige Ortschaften und gegen 17:30 Uhr erreiche ich das Örtchen MUSLONE. Hier gönne ich mir in einem winzigen Kiosk ein Eis am Stil und fülle meine Wasserflaschen wieder komplett auf, wobei ich sicherheitshalber noch 1 Liter zusätzlich mitnehme, da ich nachher noch kochen möchte und nicht genau absehen kann, wann ich am morgigen Tag wieder eine Möglichkeit erhalte meine Wasserflaschen aufzufüllen.

Bis oben hin vollgeladen begebe ich mich auf die letzten 3 Kilometer des Tages. Es wartet ein Aufstieg mit knapp 650 Höhenmetern und mir wird nochmals deutlich vor Augen geführt, wie langsam und schweißtreibend 3 Kilometer am Berg vergehen können.

Wandern Gardasee Wandern Gardasee

Wandern Gardasee

Langsam aber sicher geht mir die Power flöten.

„Das mit den 20 kg Zusatzgewicht durch den Rucksack hast Du kolossal unterschätzt. Bei den vielen Höhenmetern wird es für Dich in den kommenden Tagen noch ordentlich zur Sache gehen.“ stelle ich ernüchtert fest, während sich meine Stöcke in den Boden graben und ich mich und meinen Rucksack förmlich hochstemme.

Irgendwann ist jede Qual vorbei.

2 Stunden später – gegen 19:45 Uhr – erreiche ich in der Nähe des „Rifugio Alpini di Gargnano“ eine wundervolle Wildwiese.

„Hier baust Du Dein Zelt auf!“

Tarptent Rainbow
Tarptent Rainbow

Zur Belohnung für den heutigen, krassen Aufstieg gönne ich mir Nudeln mit Soja-Bolognese von TREK’n EAT. Das Zeug ist gefriergetrocknet, wiegt somit wenig und unter Zuführung von 500ml heißem Wasser wirklich eine leckere Mahlzeit, wenn man geschmacklich nicht gerade Pasta seines Lieblingsitalieners erwartet. 😉

hmmmm – lecker… 

Ich schreibe noch schnell ein paar WhatsApp-Nachrichten an Frau & Sohn, mache in meinem Notizblock ein paar Notizen über den heutigen Tag und beschließe gegen 21:00 Uhr den Tag zu beenden und mich in die wohlverdiente Regeneration zu begeben.

Erst beim Hinlegen auf meine Isomatte merke ich, dass der Untergrund nicht ganz eben ist. Als Folge rutsche ich des nachts immer wieder mit Matte und Schlafsack gegen eine Außenwand des Zeltes. In Kombination mit der absoluten Einsamkeit, den vielen ungewohnten Geräuschen um mich herum und den Gedanken an den morgigen Track, finde ich nicht wirklich viel Schlaf und wälze mich in einem unruhigen Halbschlaf von einer Seite auf die andere Seite.

„Na klasse, sind ja nur noch 3 Folgenächte und Tausende Höhenmeter …“

Auf jeden Fall bin ich schon sehr gespannt, welche Überaschungen an Tag 2 meiner Wanderung auf mich warten.

Euer Schulle

 

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