NIEDERRHEIN – die Generalprobe

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Allerheiligen 2018 wird es endlich passieren – DerSchulle unternimmt seine erste mehrtägige Solo-Trekkingtour. Die Wanderung wird von Rheinberg am Niederrhein  bis nach Solingen im Bergischen Land führen. Es sind 2 Zeltübernachtungen eingeplant.

Über meine Ausrüstung, den Ablauf der Vorbereitungen und die Erlebnisse von unterwegs, wird bestimmt noch der eine oder andere Beitrag folgen.

Heute geht es zunächst einmal um die letzte Testwanderung – sozusagen die Generalprobe.

Im Vorfeld war ich wieder auf GPSies aktiv und plante einen 33 km Rundkurs zwischen Hamminkeln und dem  Waldgebiet „Dämmerwald“. Ich bin somit am Niederrhein unterwegs.

Mein Weg wird mich grob Richtung Schermbeck und wieder zurück führen.

Thema Rucksack

Als besondere Herausforderung packe ich meinen Rucksack diesmal mit dem Kampfgewicht, welches mein Rücken Anfang November bewältigen muss. Es wird heute somit testweise alles mitgenommen, was auch bei meiner Trekkingtour den Weg in den Rucksack finden soll. Einzig bei der Nahrung improvisiere ich und packe einfach 4 Pakete Müsli mit jeweils 500g Gewicht ein. Die Waage zeigt mir ein Rucksackgewicht von 17 kg an.

„Uff!“ denke ich mir und bin gespannt, wie sich das Gewicht jenseits der 25 km anfühlen wird.

Zelt rein oder raus

Beim Trekking geht es auch immer um das optimale Packen des Rucksacks.

Hierbei bin ich noch absoluter Frischling und muss erst einmal meinen persönlichen Pack-Stil finden.

Ich entscheide mich letztlich dazu, mein Zelt außen am Rucksack zu verstauen. Hierdurch habe ich in meinem TATONKA YUKON 60 + 10 genug Platz, um alles andere innen zu verstauen.

Aufbruch

Gegen 9:00 Uhr breche ich daheim auf.

                   

Die Morgensonne lacht und ich habe die Gewissheit, dass mich sommerliche Temperaturen im Laufe des Tages erwarten. Das ist erstaunlich, denn wir haben bereits Mitte Oktober.  In diesem Jahr war wettertechnisch allerdings einiges recht erstaunlich.

Bruchweg                            

Zunächst einmal führt mich meine EPIX (Navigationsgerät) Richtung „Bruchweg“. Hierbei handelt es sich um einen mehrere Kilometer langen, asphaltierten Feldweg. Früher – in unserer heißen Disco- und Partyzeit – nutzten wir ihn gerne als „Schleichweg“.

Der Bruchweg war in meinen vergangenen Marathon- und Ultramarathonphasen auch Bestandteil vieler Trainingsstrecken.

Zwangsläufig stöbere ich gedanklich ein wenig in der Vergangenheit.

Müll

Plötzlich bin ich wieder im Hier und Jetzt. Was ich sehe, erweckt auf der Stelle meinen Zorn.

Müll am Wegesrand                   Muss das sein?

Ich kann es einfach nicht verstehen, weshalb manche Idioten Ihren Müll am Wegesrand entsorgen. Warum erwischt man sie nie auf frischer Tat?!

Mein Tipp an alle Idioten:

Es gibt die Müllabfuhr und es gibt Wertstoffhöfe! Zur Not gäbe es an manchen Hochhäusern auch unabgeschlossene Müllcontainer, in dem Ihr Euren Kram entsorgen könnt. Das ist auf jeden Fall besser, als Eure Scheiße einfach in der Natur abzuladen!

Die Issel

Mein Zorn verraucht allerdings recht schnell wieder. Aus dem Blicke, aus dem Sinn …

Die Route führt mich zur Issel. Sie ist ein kleines, meist friedlich vor sich hinfließenden Flüsschen.

     Issel ausgetrocknet

Die diesjährige Trockenheit ist deutlich zu erkennen. Das Flussbett ist an dieser Stelle fast vollständig ausgerocknet.

Man kann sich aktuell nur schwer vorstellen, dass die Issel vor 2 Jahren (2016) ein ernstzunehmender Problemfall wurde.

Brünen I

Mein Weg führt mich recht nah an der Ortschaft Brünen vorbei. Im „Brüner Bruch“ entdecke ich ein Gefährt, welches jeden kleinen Jungen vom Lande in Entzückung versetzt.

Faszination „Landmaschinen“

Die Umgebung besteht hauptsächlich aus Wiesen und Feldern. Ich liebe diese Farbkombination verschiedener Grüntöne und des blauen Himmels.

     

Es ist unverkennbar, dass am Niederrhein auch die Welt der Kühe noch völlig in Ordnung ist. Ich blicke in entspannte und zufriedene Kuhgesichter.

glückliche Kühe am Niederrhein

Vorsicht Hund

Hier auf dem Lande wohnt man äußerst ruhig, allerdings auch recht abgelegen. Aus diesem Grunde halten viele Anlieger Hunde. Hierauf wird meistens mit Hinweisschildern aufmerksam gemacht. Die Beschilderungen sind allerdings so unterschiedlich, wie die Hunde und ihre Halter.

      

Issel – Teil II

Ich quere nun zum zweiten Mal die Issel. Erstaunlicherweise führt die Issel hier, ein paar Kilometer weiter flussaufwärts, Wasser.

Issel

Hin und wieder entdecke ich Gebilde, deren genauer Zweck mir nicht auf Anhieb klar wird. Interessant sehen sie aber aus …

 Was mag das sein?

Eine gute Fee

Nach ca. 11 km fühle ich mich ein wenig wie im Märchen.

„Nanu, welch gute Fee war denn hier am Werke?“ frage ich mich.

Staunend stehe ich vor einem liebevoll arrangierten Rastplatz mitten im Nirgendwo.

Ein kleines Beet, eine Bank, ein Tischchen mit Kaffee, Milch, Zucker, Plätzchen und ein Körbchen mit Tassen. Ich muss an das Märchen „Tischlein deck Dich“ denken.

 Tischlein deck dich 

Tischlein deck Dich am Niederrhein

In meinem letzten Bericht über den Niederrhein sprach ich bereits über die Liebenswürdigkeit und Herzlichkeit der Niederrheiner. Das wird hier nun erneut unter Beweis gestellt.

Natürlich mache ich kurz Rast, schenke mir eine leckere Tasse Kaffee ein und nasche zwei Kekse.

Ein großes DANKE an die gute Fee!          

Im Wald

In der Nähe des Ortes Voshövel erreiche ich das erste Mal am heutigen Tage ein Waldstück.

                 

Es ist eine angenehme Abwechslung für die Füße. Waldboden fühlt sich halt etwas „fluffiger“ an als Asphalt.

Zunächst wandere ich über breite Waldwege. Mittlerweile steht die Mittagssonne am Himmel  und strahlt mit einiger Kraft. Ich freue mich somit über den angenehmen Schatten der Bäume, der mich im Wald in Empfang nimmt.

Die Waldwege werden immer schmaler und auf einmal führt mich meine EPIX über einen kaum erkennbaren Pfad.

                                                     

Links und rechts befindet sich dichter Bewuchs. An solchen Passagen fange ich seit Kurzem immer an ein Liedchen zu pfeifen, da ich äußersten Respekt vor Wildschweinen habe. Durch mein Pfeifen sollen Wildschweine frühzeitig auf mich aufmerksam werden und die Chance zur rechtzeitigen Flucht erhalten.

Eine ungemütliche Begegnung mit Wildschweinen hatte ich in letzter Zeit bereits. Zu diesem Zeitpunkt pfiff ich allerdings noch kein Liedchen. Plötzlich sah ich mich im dichteren Unterholz einer Rotte  Wildschweine gegenüber, welche glücklicherweise die Flucht ergriff.

Das braucht man nicht häufiger!

Aus diesem Grunde pfeife ich nun munter vor mich hin, wenn es durch dichter bewachsenes Unterholz geht.

Hindernislauf

Der letzte starke Sturm liegt mittlerweile bereits knapp 10 Monate zurück. Anscheinend sind noch nicht alle Baum-Opfer des Sturms zur Seite geräumt. Somit darf ich ein wenig klettern. Mit 17 kg auf dem Rücken funktioniert das natürlich nicht ganz so geschmeidig.

             

Im Wald komme ich an einigen Kastanienbäumen vorbei. Am Boden lachen mich jede Menge Esskastanien an.

Esskastanie

Da meine Eltern am frühen Abend zum Essen eingeladen haben, muss ich mich leider etwas beeilen. Es ist somit keine Zeit für ein ausgiebige Sammel-Pause. Meine Frau isst sehr gerne Kastanien und hätte sich sicherlich gefreut.

Verpflegung

Auch heute habe ich wieder ein paar gekaufte Riegel im Gepäck, die ich bisher noch nicht kenne. Es sind 3 Sorten der Marke POWER SYSTEM.

Der Preis lag bei 0,65 EUR pro Riegel (35g). Das ist recht günstig. Bei dem „High Protein Bar“ habe ich mich allerdings vergriffen. Er hat mit 135 kcal knapp 20 kcal weniger als die beiden „Active Bar“ und schmeckt mir zudem nicht sonderlich. Die „Active Bar“-Riegel munden beide recht ordentlich und kommen als Beimischung für meine anstehende Trekkingtour in Frage.

Am Acker

Es ist immer erstaunlich, was man sich im Vorfeld – daheim am Rechner – für Wanderstrecken „bastelt“. Meine EPIX zeigt mir eine Richtung an, in welcher ich keinen Weg erkennen kann. Einzig zwei aneinandergrenzende Ackerflächen befinden sich dort, wo ich lang soll.

Ups – und nun?

„OK – dann halt durch den Acker!“

Frohen Mutes und in der Hoffnung, das gleich irgendwo ein richtiger Weg auftaucht, stampfe ich los.

Baum der Erkenntnis

Ein paar Hundert Meter weiter befindet sich in der Tat ein Weg, der zwischen den Ackerflächen herführt.

Dieser Weg führt mich schnurstracks zu einem einzelnen Baum, welcher mutterseelenallein auf weiter Flur steht.

            mein „Baum der Erkenntnis“

Für mich ist es der „Baum der Erkenntnis“. Mit einem Blick in den blauen Himmel denke ich:

„Karsten, hast Du wieder einmal ein Glück, solch einen schönen Tag erleben zu dürfen!“

Sonniger Begleiter

Über asphaltierte Feldwege nähere ich mich dem Dämmerwald. Er stellt den Wendepunkt meiner heutigen Wanderung dar. Ab dort geht es wieder heimwärts.

    

Heute bin ich nicht alleine unterwegs. Ein steter Begleiter läuft mir voraus, wenn die Sonne in meinem Rücken liegt .

Schatten
Schattenspiele

Weseler Wald

Noch vor Erreichen meines Wendepunktes komme ich am Weseler Wald vorbei. Dort begrüßt mich eine gemütliche Bank des Heimatvereins und eine Friedenseiche.

  Friedenseiche

Aus einem Apfelbaum lacht mich sogar ein köstlich ausschauender Apfel an. Leider hängt er gut einen halben Meter zu hoch.

Apfel
lecker, aber unerreichbar

Also ziehe ich ohne Apfel weiter und erfreue mich einfach an den wunderschönen Landschaftsarrangements, die sich vor mir auftun.

  

Issel – Teil III

Da sich die Issel völlig krumm und schief durch die Gegend schlengelt, quere ich sie nun bereits zum dritten Mal. Auch hier ist keinerlei Austrocknung erkennbar.

Ein Stückchen weiter werde ich dann wieder begafft. Man fragt sich wahrscheinlich, warum dieser komische Mensch mit solch einem riesigen Ding auf dem Rücken rumläuft.

Unerwartetes Shopping

Plötzlich komme ich an ein paar Gehöften vorbei und freue mich, mal wieder etwas nicht Alltägliches zu sehen. Mich begrüßen im Abstand von wenigen Hundert Metern drei niedliche Warenstände.

 

Hätte ich ein wenig mehr Zeit, würde ich mir die angebotenen Dinge gerne etwas genauer anschauen.

Farbenpracht und Heimatliebe

Ich bin erstaunt, welch schöne Farben noch Mitte Oktober am Wegesrand zu entdecken sind.

           

Mir wird immer wieder bewusst, wie schön meine Heimat, der Niederrhein, doch ist.

Niederrhein
Niederrhein pur

Brünen II

Am Rande von Brünen erhalte ich den Beweis, dass auch „Landeier“ die Graffiti-Kunst beherrschen. Die Motive sind dann aber doch eher ländlicher Natur …

Nicht weit davon entfernt steht ein wirklich schnuckeliger Wohnwagen. Er scheint mit viel Liebe aus Holz zusammengezimmert worden zu sein.

Zu gerne hätte ich mal einen Blick ins Innere riskiert.

Ich wandere weiter an weiten Feldern vorbei und wundere mich mitunter, an welch einsamen Stellen DIXI-Klos aufgestellt werden.

einsames DIXI

An einem Möhrenfeld kann ich der Versuchung nicht widerstehen. Lauter knallorangene Möhren lachen mich aus der Erde an. Schwups, halte ich plötzlich eine dieser Möhren in Händen.

    Möhre vom Niederrhein

Frisch vom Feld schmeckt es noch immer am besten …

Hofcafés

Am Niederrhein findet man jede Menge Hofcafés.

Es handelt sich dabei häufig um ehemalige Scheunen oder andere Gebäudeteile eines Bauernhofes, die zu einem kleinen Gastronomiebetrieb umgebaut wurden.

Man kann dort frühstücken oder gegen Mittag/Nachmittag zum Beispiel ein leckeres Stück selbstgebackenen Kuchen genießen.

Vor allem die Lage dieser Hofcafés ist meist äußerst idyllisch, da sie doch recht abseits liegen.

Das Ende naht

Ich nähere mich unaufhaltsam dem Start meiner heutigen Wanderung – meinem Wohnort Hamminkeln. Unterwegs mahnt der Hamminkelner Bürgermeister zur Vorsicht.

An einer Grundstücksausfahrt entdecke ich diesen komischen Typen, der den ganzen Tag mit diesem lächerlich großen Ding auf dem Rücken durch die Gegend latscht.

Spieglein an der Wand bzw. der Grundstücksausfahrt

Nun liegen noch knapp 3 Kilometer vor mir und ein wenig Enttäuschung macht sich breit. Solch ein tolles Wanderwetter werde ich dieses Jahr wohl nicht mehr häufig genießen dürfen.

                     

„Was für ein Wetter wird mich wohl Anfang November auf meiner Trekkingtour begleiten?“

Mit dieser Frage befasste ich mich heute bereits des Öfteren?

„Alles – nur kein Dauerregen!“ spukt es mir durch Kopf.

„Et kütt, wie et kütt …“

Damit schiebe ich das Thema Wetter wieder in eine hintere Schublade meines Kopfes. Anstelle zu grübeln, lasse ich die letzten Meter der heutigen, wunderschönen Wanderung auf mich wirken.

Issel – Teil IV

Hier schließt sich der Issel-Kreis dann auch. Zum vierten Mal quere ich dieses kleine Flüsschen und was entdecke ich? Genau – furztrocken!

             Wo ist das Wasser?

Flussabwärts kommt momentan anscheinend nicht ganz so viel Wasser an.

Hamminkeln                          

Den Ortseingang vor Augen, passiere ich das sehr gut frequentierte „Roadhouse“, ein Restaurant mit amerikanischer Küche.

„Einen leckeren Burger könntest Du jetzt auch verputzen.“ denke ich mir, während der Duft von Gegrilltem in meine Nase steigt.

In 1,5 Stunden kann ich allerdings kulinarisch nach Herzenslust zuschlagen, da meine Eltern zum Essen in ein Marienthaler Restaurant eingeladen haben. Ich gab meinem Vater bereits im Vorfeld zu verstehen gegeben, dass er ruhig ein paar Geld-Scheinchen mehr einstecken könne. Sein Sohn wird wahrscheinlich mit einem Mordshunger aufschlagen.

Mordshunger

Finish

Die letzten Meter meines Weges führen noch durch ein klitzekleines Wäldchen.

Der Rucksack macht sich auch langsam in der Hüftgegend bemerkbar. Ich bin froh, gleich wieder um 17 kg erleichtert zu sein. Alles in allem lief es sich jedoch erstaunlich gut und die heutige Generalprobe ist somit geglückt. Nun kann die 3-tägige Tour nach Solingen kommen!

Dann stehe ich dort, wo das kleine Wanderabenteuer vor etwas weniger als 7 Stunden begonnen hatte.

Auf der Bank vor unserer Haustür sitzt ein alter Bekannter und begrüßt mich.

Es ist immer wieder ein sehr zufriedenstellendes Gefühl für mich, daheim anzukommen und mein Leben um einige wunderschöne Momente bereichtert zu haben.

„Wohl dem, der geht, denn er wird ankommen.“

In diesem Sinne,

Euer Schulle

 

 

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