MONTE BALDO – Wanderung am Gardasee

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Dieses Jahr verbrachten wir den Sommerurlaub zum ersten Mal am GARDASEE und somit unweit vom MONTE BALDO. Unsere Ferienwohnung lag in CASSONE, einem kleinen, verschlafenen Örtchen in der direkten Nachbarschaft zu MALCESINE.

Direkt hinter dem Ort Cassone erstreckt sich der knapp 30 km lange Bergrücken des MONTE BALDO.

    Cassone

Planung

Was Höhenmeter-Wanderungen angeht, so kraxelte ich (DerSchulle) bisher nur im Sauerland umher. Eine Wanderung im Gebirge war absolutes Neuland für mich.

Das Ziel meiner MONTE BALDO Wanderung sollte die Bergspitze PUNTA TELEGRAFO auf etwas über 2.000 m Höhe sein. Hier befindet sich eine bewirtschaftete Hütte.

Die Wanderstrecke plante ich bereits daheim im Online-Portal GPSIES.

Wanderroute Monte Baldo
Track auf GPSIES

Dieses Portal kann ich Euch wärmstens empfehlen, wenn Ihr Eure eigenen Wander-Tracks erstellen wollt.

Die Route

Ich plante einen Rundkurs. Start und Ziel war unsere Unterkunft in CASSONE.

Lt. GPSIES sollte die Strecke ungefähr 27 km lang sein.

Alter schützt bekanntlich vor Torheit nicht.  Ich setzte für diese MONTE BALDO-Tour einfach mal eine Wandergeschwindigkeit von 4,0 bis 4,5 km/h an. Das war eindeutig zu optimistisch – so viel vorab. Grundlage für meine Torheit waren Wanderungen im Sauerland, welche ich im Schnitt mit 5,5 km/h absolviere. Dass man das Mittelgebirge des Sauerlandes und das Gebirge am Gardasee nicht unbedingt 1 zu 1 vergleichen kann, war mir bei der Planung noch nicht bewusst.

„Nach 7 bis 8 Stunden bist Du dann ja bereits wieder zurück!“ ging es mir bei der Planung am Rechner durch den Kopf. Ich war schon fast dazu geneigt, die Route etwas zu verlängern, verkniff es mir zum Glück jedoch.

Nice to have – was muss mit? 

Am Vorabend der Wanderung packte ich bereits meinen Rucksack, damit ich am nächsten Morgen keine Zeit verliere. Ich wollte früh aufbrechen, um noch möglichst lange in der angenehmen Morgenfrische unterwegs zu sein.

Folgende Dinge landeten in meinem Rucksack:

Kleidung: Regenjacke (MONTANE Minimus) / Ersatz-Socken (WRIGHTSOCKS) / dünne Handschuhe / Buff

Technik: Powerbank (ANKER 13.000 mAh) / Notfall-Stirnlampe (PETZL Tikkina) / Kamera und NAVI-Backup (NOKIA LUMIA 1020)

Verpflegung: 4,5 Liter Wasser / mehrere Schnitten, Müsliriegel und Äpfel

An und bei mir trug ich:

Kleidung: lange Wanderhose (FJÄLLRÄVEN Abisko) / Funktionsshirt / Wandersocken (WRIGHTSOCKS) / Sportslip

Schuhe: Trailschuhe (ASICS Fujitrabuco 6 GTX)

Navigation: GARMIN Epix

Zubehör: 2 Stöcke, die ich bei einem Ausflug 2 Tage zuvor am Wegesrand gefunden hatte. Sie sollten mir als Wanderstöcke dienen. Ich bin zwar bisher immer ohne Wanderstock unterwegs gewesen, aber irgendeine Stimme riet mir, diese beiden „Knüppel“ bei meinem Unterfangen „am Mann“ zu haben. Das war – im Nachhinein betrachtet – eine weise Entscheidung!

Es geht los

Um 05:00 Uhr am nächsten Morgen schellte mein Wecker. Auf Zehenspitzen schlich ich mich leise aus dem Schlafzimmer, durch den Flur, in die Wohnküche. Ich öffnete die Balkontür und mich begrüßte der wunderbare Ausblick auf den Gardasee.

Cassone
Ausblick vom Balkon

Nach einem üppigen Frühstück und den üblichen, morgendlichen Ritualen, schulterte ich meinen Rucksack, griff meine beiden „Knüppel“, startete meine GARMIN-Uhr und trat gegen 06:00 Uhr vor die Tür.

In CASSONE regte sich zu dieser Uhrzeit noch nicht viel.

Der Berg ruft

Der Gardasee liegt ungefähr 70 m über dem Meeresspiegel. Direkt am See führt die Seestraße „Gardesana“ entlang. Landeinwärts nimmt man ab dieser Seestraße bereits die ersten Höhenmeter unter die Füße.

Zunächst führte mich mein GPS-Track durch CASSONE und Umgebung. Es ging über Straßen und kleine asphaltierte Wege Richtung MONTE BALDO.

                    

Die Wanderwege erkennt man gut an den auffälligen Markierungen. Für mich waren diese Markierungen allerdings nicht so wichtig, da ich per GPS navigierte.

Markierung Wanderweg Monte Baldo

Aus Wegen werden Pfade

Bereits nach knapp 3 km wurden aus den asphaltierten Wegen recht unbefestigte Pfade. Hier war an einigen Stellen Trittsicherheit gefragt, da der Untergrund durch allerlei Steine oftmals uneben und rutschig war.

knifflige Geröllfelder
urige Pfade

Ein Blick auf meine Uhr brachte mir bereits nach 2 Stunden Klarheit, dass mein daheim geplantes Tempo von 4 – 4,5 km/h völlig utopisch war. Der ständige Anstieg und die teilweise herausfordernde Bodenbeschaffenheit, ließen mich nun am Berg mit knapp 2,5 km/h dahinschleichen.

Neues Zeitfenster

„Bin ich halt ein paar Stunden länger unterwegs! Der Weg ist das Ziel und nicht die Zeit.“ ging es mir durch den Kopf.

Gut gelaunt wanderte ich weiter Richtung PUNTA TELEGRAFO.

Während des gesamten Aufstiegs, der knapp 6 Stunden dauerte, begegnete ich exakt 2 anderen Wanderern. Somit hatte ich diese traumhafte Gegend eigentlich für mich alleine.

  

Solo-Wanderung

Ich gehöre zu den Menschen, die sich selber gut ertragen und Einsamkeit genießen können. Somit bin ich meistens als Solo-Wanderer unterwegs.

Ein Nachteil des Solo-Wanderers ist jedoch, dass man wirklich alleine ist – auch in Notsituationen. Dies kam mir während der Wanderung ein paar Mal in den Sinn, als Teilstücke anspruchsvoller und risikoreicher wurden.

         

Ein Fehtritt kann manchmal verheerende Folgen haben und dann hängt man irgendwo im Nirgendwo.

Den Gipfel im Blick

Solche finsteren Gedanken verschwanden recht schnell, wenn ich meinen Blick durch die traumhafte Landschaft schweifen ließ.

Irgendwann konnte ich in einiger Entfernung die PUNTA TELEGRAFO erkennen. Es lagen noch ein paar Kilometer und Höhenmeter vor mir, jedoch sah ich bereits mein Ziel.

Am Ziel

Nach ziemlich genau 6 Stunden erreichte ich das Refugio. Es waren bereits ein paar andere Wanderer dort, die anscheinend über andere Routen hinauf gewandert waren. Es führen halt immer mehrere Wege nach Rom …

   

Ich setzte mich im Refugio an einen Tisch und belohnte mich mit einem Stück Apfelstrudel. Man, schmeckte dieses Stück gut! Ich spürte förmlich, wie sich mein Energiespeicher langsam wieder auflud.

Nach AUFWÄRTS kommt ABWÄRTS

Nach einem halbstündigen Aufenthalt im Refugio machte ich mich an den Abstieg. Ich war voller Hoffnung, dass der Abstieg etwas schneller als der Aufstieg klappen könnte. Um es vorweg zu nehmen – auch hier zeigte sich meine fehlende Erfahrung im Gebirge.

Der Abstieg dauerte fast so lange wie der Aufstieg.

Vorsicht geboten

Das Refugio lag etwas über 2.000 m. Die ersten  Höhenmeter hinab waren gesäumt von Geröllfeldern. Auf den losen Steinen kam ich häufiger ins Rutschen und geriet gefährlich in Rücklage. Mit „Ach und Krach“ konnte ich mich auf den Beinen halten und Stürze vermeiden.

Wieder zogen dunkle Gedanken-Wolken in mir auf. „Was, wenn Du hier auf den Hinterkopf knallst?!“ Dieses Bild verwarf ich sehr schnell und konzentrierte mich weiter auf das sichere Aufsetzen meiner Füße.

    

Schwindende Kraft

Mittlerweile war ich bereits knapp 9 Stunden unterwegs. Das Gefälle nahm einfach kein Ende. Schritt für Schritt machte sich die Erschöpfung mehr in den Beinen bemerkbar. Es ging noch immer bergab und war sehr steinig, was weiterhin Aufmerksamkeit erforderte.

     

Vom Weg abgekommen

Knapp 5 Kilometer lagen noch vor mir, als ich vor mir plötzlich keinen Weg mehr erkennen konnte. Links, rechts und vor mir war alles dicht zugewachsen.

Wie auch immer, ich war von meinem GPS-Track abgekommen. Meine GPS-Uhr zeigte an, dass ich mich anscheinend nur ein paar Meter von meinem Track befand. Ich sah jedoch nirgendwo etwas, dass man als Weg oder Pfad bezeichnen konnte. Solche Situationen hasse ich …

Zurückgehen und dann nochmals neu orientieren war in diesem Moment keine Option. „Dann eben durchs Unterholz!“ raunte ich mir zu und stampfte durchs Gestrüpp.

Nach ungefähr 200 Metern war ich zum Glück wieder auf meinem GPS-Track. Wenig später hatten auch die unbefestigten Pfade ein Ende. Ich ging wieder auf Asphalt.

Gegen 17:00 Uhr traf ich überglücklich und mit einer tiefen, inneren Zufriedenheit in CASSONE ein.

Der Ausklang

Zunächst wurde eine lange Duschsitzung eingelegt. Danach gab es einen kleinen Snack und ich ruhte mich ein halbes Stündchen aus.

Meine Frau und mein Sohn hatten mittags bereits einen Tisch in unserem Lieblingsrestaurant reserviert. So fand dieser wunderschöne Wandertag bei einem leckeren Abendessen einen gelungen Abschluß.

Mein Tipp an Euch

Wenn Ihr mal am Gardasee seid, gönnt Euch eine Wanderung zur PUNTA TELEGRAFO!

Es führen verschiedenste Wege hinauf. Ihr müsst somit nicht unbedingt die 2.000 Höhenmeter-Variante absolvieren, die ich Euch soeben beschrieben habe.

„Das Geheimis des Vorwärtskommens besteht darin, den ersten Schritt zu tun.“   Mark Twain

In diesem Sinne,

Euer Schulle

 

 

6 Kommentare

  1. Hallo lieber Schulle,
    du weißt, ich mag es sehr von deinen „Beklopptheiten“ zu lesen. Oftmals ist es inspirierend und oft bin ich froh, dass ich ich bin 😉 In jedem Fall denke ich, dass ich mich auch hier in deine Gefühlslage versetzen kann und find´s cool, dass du uns in diesem Medium an deinen Erlebnissen teilhaben lässt.
    VG
    Hendrik

    1. Hallo Hendrik, an der nächsten „Beklopptheit“ bist Du ja auch ein wenig beteiligt. Ich bin schon jetzt gespannt, was mich Anfang November auf der Tour Hamminkeln/Solingen so alles erwarten wird. Ein bisschen bekloppt muss man halt sein, um in dieser Welt normal zu bleiben … 😎

  2. Ich war noch nie am Gardasee und Berge sind nicht so meins, aber eine tolle Beschreibung Deiner Wanderung und Deiner Gefühlswelt. Mach weiter so … aber vorsichtig … wir sind nicht mehr die Jüngsten 🙂

    1. Hallo Theo, schön von Dir zu lesen! Da Berge nicht so Deins sind, werde ich demnächst also mal andere Gefilde aufsuchen müssen. Du hast natürlich Recht – wir sind nicht mehr die Jüngsten. Aber: je oller, desto doller! 😁 Auf zu neuen Abenteuern …

  3. Schöner Beitrag! Wenn ich mal wieder am Gardasee bin, werde ich mich gern daran erinnern! Es erinnert mich an meine Alpenläufe. Immer ratsam: Genügend Wasser dabei haben, auch über das Notwendige hinaus.

    1. Hi Bernd, jetzt heißt es für Dich „nachlegen“ und ebenfalls einen eigenen Blog ins Leben rufen. Du hast so viele tolle Dinge zu berichten! Wenn ich alleine an Deine letzte, erlebnis- und kontaktreiche Fahrradtour denke … Los, gib Dir einen Ruck! 😊

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