Kreuztal – DerSchulle kommt ins Schliddern

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Was interessiert einen „Outdoor-Süchtel“ vor allem, wenn er eine Unternehmung plant?

Genau – das Wetter!                    

Die Wettervorhersage für den gestrigen Tag war äußerst vielversprechend: Nass und kalt, mit stellenweisen Windböen in der Stärke 8 (Wettervorwarnung).

Das Wort „Wettervorwarnung“, was nicht mit „Unwetterwarnung“ verwechselt werden sollte, übt auf mich immer eine magische Anziehungskraft aus. Wettervorwarnungen versprechen häufig interessante Outdoor-Erlebnisse außerhalb der Komfortzone. Halt ein kleiner Hauch von Abenteuer …

„Dann hörst Du ja endlich mal wieder den zauberhaften Klang des Windes, wenn er durch die Baumwipfel streift!“ ging es mir spontan durch den Kopf, als ich am Vorabend nochmals einen Blick auf die Wettervorschau warf.

Ankunft in Littfeld     Littfeld Kreuztal

Punkt 09:00 Uhr treffe ich mit meinem Wagen am Friedhof in Littfeld (südwestliches Sauerland / Kreuztal) ein. Friedhöfe stellen für mich einen idealen Startpunkt für Wanderungen dar, da man dort eigentlich immer einen kostenlosen Parkplatz findet. Zudem liegen Friedhöfe meist etwas außerhalb von Ortschaften und ich bin somit recht schnell in der Natur.

Heute wird es recht happig, da knapp 52 km mit ungefähr 1.600 Höhenmetern geplant sind.

Ich nutze zur Planung meiner Wanderungen meistens das Portal GPSies. Wer möchte, kann sich dort gerne mal meine hinterlegten Routen anschauen.

Kurze Beschreibung der Vorgehensweise:

  • unter „Entdecken“ den Punkt „Erweiterte Suche“ auswählen
  • dann unter „Benutzername“ DerSchulle (zusammengeschrieben!!!) eingeben und auf „Suche“ gehen
  • wenn Ihr auch Routen außerhalb Deutschlands sehen möchtet, einfach „Land“ = blanko

Das Portal GPSies hatte ich bereits vor längerer Zeit in einem anderen Beitrag beschrieben (bei Interesse: hier).

3, 2, 1, los …

09:15 Uhr sind meine obligatorischen Vorbereitungen (Kaffee trinken, Füße eincremen, Klamotten anziehen …) abgeschlossen und es kann losgehen.

Es weht wirklich ein ordentliches Lüftchen und der wolkenverhangene Himmel trägt auf jeden Fall Regenpotential in sich.

Start am Friedhof Littfeld

Nach 3 Kilometern – mitten im ersten Anstieg – wird mir klar, dass die heutige Wanderung länger dauern wird, als ich eingeplant hatte.

Warum? Nun, es regnete im Sauerland zwar die letzten Tage und die Temperaturen lagen weitestgehend über dem Gefrierpunkt, doch das reichte anscheinend nicht, um Schnee und Eis von den Wegen verschwinden zu lassen.

Es ist glatt! Es ist sogar stellenweise spiegelglatt!

Ursprünglich – daheim am Rechner und das Thema „Schnee/Eis“ völlig ignorierend – plante ich einen Schnitt von ungefähr 5 km/h. Das ist unter den heutigen Bedingungen jedoch völlig illusorisch.

„Alter Schwede – da wirst Du anstatt der einkalkulierten 10 bis 10,5 Stunden wahrscheinlich 1 bis 2 Stunden mehr benötigen!“

Vor allem eine Frage spukt mir im Kopf herum.

Wie gefährlich wird die Sache, wenn ich ab 17:30 Uhr oder 18:00 Uhr im Dunkeln – nur im kleinen Lichtkegel meiner Stirnlampe – über solche Waldwege schliddern muss?

„Egal, erst einmal abwarten, ob es überall so ausschaut.“

Das tut es zum Glück nicht! Erst ab 450/500 Meter Höhe wird es meist weiß und glatt. Darunter läuft es sich fluffig und angenehm.

Unterwegs

Zwischendurch riskiere ich immer mal wieder einen Blick in die Umgebung.

 

Aufgrund des Wetters sind diese Ausblicke jedoch keine sonderlichen Aha-Erlebnisse. Alles wirkt ein wenig trist und grau.

An einigen idyllischen Plätzen laden immer wieder Bänke zum Verweilen ein.

Bank Kreuztal

Ich lehne jedoch dankend ab und stapfe munter weiter.

Auf einem Berggipfel wecken orangene Flecke mein Interesse. Aus der Nähe betrachtet wird klar, was es ist – Überbleibsel eines Silvester-Feuerwerks.

Erfreut und gleichzeitig enttäuscht denke ich mir: “Sicherlich schön, von hier oben Raketen ins neue Jahr steigen zu lassen! Es wäre aber auch sehr schön, wenn man den Müll wieder mit ins Tal nimmt!“

Auf teils urigen Wegen führt mein Weg unentwegt durch Waldgebiet.

                    

Am Wegesrand erfreuen mich immer wieder kleine Botschaften anderer Naturfreunde.

Gefahr im Verzug

Sobald mich mein Weg wieder etwas höher führt, bedarf es geschärfter Sinne, damit ich nicht unfreiwillig von den Beinen geholt werde.

Mittlerweile ist es Mittag und ich habe bisher ungefähr 15 Kilometer hinter mich gebracht. Da noch ein langer Weg vor mir liegt, denke ich öfters darüber nach, wie ich mit dem Umstand umgehen soll, dass die Wege teilweise gefährlich glatt sind.

„Wenn das Tageslicht verschwunden ist, steigt die Gefahr unglücklich zu stürzen überproportional. Du hast letztlich 2 Optionen: Einfach weiter und volles Risiko eingehen oder irgendwie abkürzen und versuchen bei Einbruch der Dunkelheit zumindest in schnee- und eisfreiem Terrain zu sein. “

Mir ist klar, dass ich in den nächsten 2 bis 3 Stunden eine Entscheidung treffen muss.

Müsen                

In der Nähe von Müsen führt mich mein Track ein wenig querfeldein.  Solche Pfade liebe ich, da sie etwas sehr Ursprüngliches an sich haben.

                 

Dann geht es wieder bergauf und eine neuerliche Rutschpartie beginnt.

Hier tritt nun genau das ein, was ich die ganze Zeit befürchtete:

Der Weg ist erneut spiegelglatt. Ich gehe auf der rechten Wegseite und will auf die linke Seite wechseln. Kaum setze ich einen Schritt in die Wegmitte, verliere ich auf einer Eisplatte jeglichen Halt und krache hin.

Kurzer Flug, harte Landung, zum Glück nix passiert.

In diesem Moment treffe ich eine Entscheidung:

„Du schaust Dir jetzt schleunigst auf Deinem Navi an, wie Du die vor Dir liegende Strecke abkürzen kannst!“

Gesagt – getan!

Silberg              

Da ich mittlerweile bereits 36 km abgespult habe und mich kurz vor Silberg befinde, streiche ich eine größere Schleife und suche mir stattdessen einen kürzeren Weg von Silberg zurück nach Littfeld.

Das Tageslicht beginnt nun langsam zu schwinden.

Als mich die Dunkelheit empfängt, habe ich bereits den Ortsrand von Littfeld erreicht.

Um 18:45 Uhr entdecke ich im Licht meiner Stirnlampe die Umrisse des Friedhofs und stehe ein paar Schritte später vor meinem Wagen, der dort mutterseelenalleine ausharrte und auf mich wartete. Braves Auto!

Suchbild: Wo ist das Auto? 😁

Angenehm erschöpft und mit einem zufriedenen Gefühl starte ich das Navi und rolle gen Heimat.

Fazit:

Es wurden heute keine 52 Kilometer, sondern – meiner Abkürzung geschuldet – „nur“ 46 Kilometer. Das kann ich jedoch gut verschmerzen, da diese fehlenden 6 km in keinem Verhältnis zum Sturzrisiko gestanden hätten. Eventuell liegst Du – irgendwo im sauerländischen Nirgendwo – verletzt im dunklen Wald und kannst versuchen Hilfe aufzutreiben. Kein schöner Gedanke …

Solche Entscheidungen zeigen mir aber auch, dass ich langsam „altersweise“ werde. 😉

Vor ein paar Jahren wäre solch eine Abkürzung des Weges absolut nicht in Frage gekommen. Da hätte noch die Devise „Augen zu und mit Volldampf hindurch!“ gegolten.

Es ist halt nichts beständiger als der Wandel!

In diesem Sinne,

Euer Schulle

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