KRAV MAGA – DerSchulle meets Selbstverteidigung

Veröffentlicht von

Seit einiger Zeit engagiere ich mich bei meinem Arbeitgeber in einem Arbeitskreis für Gesundheitsthemen. In regelmäßigen Abständen organisiert dieser Arbeitskreis sogenannte „Aktionstage“. Ziel ist es, unseren Kollegen Einblicke in verschiedene Themengebiete aus den Bereichen Ernährung, Bewegung und Prävention zu ermöglichen. Wir setzen somit Impulse, die im Idealfall zur weiteren Eigeninitiative interessierter Kollegen führen.

Und nun zu KRAV MAGA …

Unser letzter Aktionstag stand unter dem Motto „Sicher durch die dunkle Jahreszeit“. Wir wollten diesmal das Thema „Selbstverteidigung“ in mehreren Workshops anbieten (Link).

Bei der Vorabrecherche nach möglichen Anbietern solcher Workshops las ich öfters von KRAV MAGA.

KRAV MAGA          

Der Begriff KRAV MAGA war mir bisher noch nicht geläufig. Ich machte mich somit zunächst einmal schlau, was sich hinter KRAV MAGA verbirgt.

KRAV MAGA ist ein israelisches Selbstverteidigungssystem, welches Techniken aus verschiedensten Kampfsportarten zur Selbstverteidigung nutzt. Man kann in KRAV MAGA auch speziell für den zivilen Bereich geschult werden. In diesem Fall soll KRAV MAGA – aufgrund der relativ einfachen Techniken – einigermaßen schnell erlernbar sein. Seinem Selbstverständnis nach, ist KRAV MAGA keine Sportart mit Wettbewerbscharakter. Es ist ein reines Selbstverteidigungssystem.

„Das könnte doch etwas für unseren Aktionstag sein!“ ging es mir durch den Kopf.

Nun musste nur noch der passende Anbieter gefunden werden. Ich begab mich somit auf die Suche.

Suche

Valkyrie Krav Maga

Durch einen interessanten Zeitungsartikel in der NRZ stieß ich auf die KRAV MAGA-Instruktorin Freya Geßner. Freya betreibt nebenberuflich die KRAV MAGA-Schule „Valkyrie Krav Maga“. Inzwischen bietet sie auch Behördentrainings an.

Kurzerhand meldete ich mich bei Freya. Mir imponierte besonders, dass sich Freya in der Heimat des KRAV MAGA hatte ausbilden lassen. Über zwei Jahre wurde sie in Lehrgängen der Headinstruktoren der israelischen Armee in Tel Aviv fortgebildet. Einmal pro Monat flog Freya für ein Wochenende nach Israel und nahm an diesen Fortbildungen teil – 2 Jahre lang.

So etwas nenne ich LEIDENSCHAFT!                    Leidenschaft, Passion

DerSchulle will auch

Während der Organisation des Aktionstages wurde mir bewusst, dass dieser Kontakt zu Freya auch für mich eine Chance war. Endlich konnte ich meinem vorhandenen Interesse an Kampfsport bzw. Selbstverteidigung nachgehen.

Schon als Jugendlicher hatte ich den Gedanken hieran mit mir herumgetragen.

Es gibt halt viele Dinge, die man immer mal wieder andenkt, denen man letztlich aber nie genügend Raum in seinem Leben gibt.

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“

Aus diesem Grunde meldete ich mich kurzerhand bei Freya zu einem Probetraining an.

DerSchulle meets KRAV MAGA

Ich kann meinen Arbeitskollegen Gerrit ebenfalls für dieses Probetraining begeistern. Wir finden uns an einem Dienstag um 18:50 Uhr im Trainingsraum (Duisburg Wedau – DJH Jugendherberge direkt neben dem MSV-Stadion) ein.

Training Krav Maga
Trainingsort: Raum in der DJH Jugendherberge

Ein heller, gut gelüfteter Trainingsraum erwartet uns. Wir treffen dort auf eine kleine Gruppe gutgelaunter Frauen und Männer. Gerrit und ich sind die einzigen Neulinge.

Bevor das eigentliche Training beginnt, stellt sich die Gruppe vor der Trainerin (Freya) auf. Wir begrüßen einander mit einer tiefen Verbeugung und dem Ausspruch „Kida“. Dies soll den gegenseitigen Respekt zum Ausdruck bringen.

Es geht los

Wie bei eigentlich jeder sportlichen Betätigung, steht auch beim KRAV MAGA zunächst das Aufwärmen auf dem Programm.

Unsere Schweißdrüsen hinterlassen ihre ersten Spuren in unseren Shirts. Nun beginnt der eigentliche Technik-Teil.

Freya erklärt uns kurz, dass Boxen ein wesentlicher Bestandteil des KRAV MAGA ist.

Es kann in der Realität vorkommen, dass Du in einer Notsituation – aus welchen Gründen auch immer – keine erlernten Verteidigungstechniken abrufen kannst. In diesem Fall steht Dir immer noch das Boxen zur Verfügung.

„Boxen geht immer!“ oder so ähnlich formuliert es Freya.

Es werden „Pratzen“ verteilt und zu zweit geht es ans Einüben von Schlagkombinationen. Gerrit und ich trainieren miteinander und harmonieren mit unserem Nichtkönnen recht gut.

„Jab“, „Cross“, „Seitwärtshaken“ und „Aufwärtshaken“ werden miteinander kombiniert.

Freya weist Gerrit und mich geduldig auf Fehler hin und gibt Hilfestellungen.

Alleine das richtige Bilden einer Faust will gelernt sein!

Faust
So geht eine Faust

Zwischendurch streut Freya Fitnessübungen ein. Diese werden ebenfalls gemeinsam mit dem Partner absolviert. Mal sind es beispielsweise Crunches, bei denen man sich in der Mitte (beim Aufrichten) abklatscht – mal sind es Liegestütz, bei denen man nach dem Hochdrücken abklatscht.

Es gibt immer wieder eine kleine, fordernde Abwechslung.

Schwitzkasten

Nach dem Boxen stellt uns Freya eine Technik vor, mit der man sich sehr effektiv aus einem „Schwitzkasten“ befreien kann.

Natürlich wirken die Bewegungsabläufe bei Gerrit und mir etwas hölzern und ungelenk.

Egal – aller Anfang ist halt schwer!

Diese Übung ist jedoch noch nicht allzu komplex und ich bekomme die Abfolge der Bewegungen einigermaßen hin.

Das ändert sich jedoch bei der nächsten Übung.

Angriff mit dem Messer oder ähnlichem          

Hier zeigt sich spätestens meine persönliche Großbaustelle. Ich kann mir nur sehr schwer komplexere Bewegungsabläufe merken und diese koordiniert wiederholen.

„Du bist halt Läufer und überzeugter Nicht-Tänzer. Woher willst Du das können?“ schmunzele ich in mich hinein. Gerrit bekommt das auf jeden Fall etwas besser umgesetzt als ich.

Man sollte auf keinen Fall Gedanken daran verschwenden, wie unbeholfen die ersten, eigenen KRAV MAGA-Bewegung ausschauen. Das hemmt nur unnötig.

Aller Anfang ist halt schwer!

Wiederholung des Erlernten

Die Zeit vergeht wie im Fluge und gegen Ende der 90 Minuten kommt mein persönliches „Highlight“. Es folgt eine Übung in der wir das Erlernte unter ein wenig Druck anwenden sollen.

Wir bilden 3er-Gruppen, wobei einer die Pratzen hält und ein anderer den Angreifer darstellt. Der Dritte wird aktiv und setzt zunächst einige Schlagfolgen auf die Pratzen. Auf Kommando greift der Angreifer danach den Dritten entweder mit dem Messer an oder nimmt ihn in den „Schwitzkasten“. Danach geht der Dritte wieder zu den „Pratzen“ und es folgt ein erneuter Angriff. Nach ein paar Minuten wird gewechselt und ein anderer nimmt die Rolle des Dritten ein.

Eigentlich ein wunderschönes Intervall, wenn man nicht solch ein Grobmotoriker ist wie DerSchulle …

Ich mache die Übung mit 2 Mädels, die KRAV MAGA bereits seit Längerem erlernen. Die Schlagfolgen auf die „Pratzen“ bekomme ich noch einigermaßen hin, aber bei den Messerangriffen scheiter ich jedes Mal kläglich. Wäre das Messer nicht aus Gummi gewesen, hätte das mindestens sehr böses „AUA“ für mich bedeutet.

„OK – Problem erkannt! Das wird noch ein langer Weg für Dich, Karsten.“ fasse ich diese Übung abschließend für mich zusammen.

Erwachender Ehrgeiz          

Mit Herausforderungen habe ich mich schon häufiger in meiner Sportkarriere beschäftigt.

KRAV MAGA stellt mich allerdings vor eine besondere Hürde. Ich fange in Sachen Selbstverteidigung bei NULL an. Vorkenntnisse habe ich keine. Einzig meine vorhandene Kondition kann mir eventuell etwas nützlich sein.

Kleine Rückmeldungen

An Tag 1 nach meinem ersten KRAV MAGA-Training merke ich nur an den beiden Knöcheln des Zeige- und Mittelfingers, dass ich am Vorabend häufiger mit meiner rechten Schlaghand auf eine Pratze geschlagen habe.

Als „Bürohengst“ sind meine Fingerchen solche Dinge einfach noch nicht gewohnt.

„Abhärten ist das Zauberwort, Karsten!“ sage ich mir und freue mich insgeheim schon auf das nächste Pratzen-Training.

Das war es aber auch schon in Sachen „Nachwirkungen“.

Keine Schmerzen und jede Menge Motivation. So soll es sein!

Fazit von DerSchulle

Ich habe natürlich keinerlei Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Kampfsportarten.

Ich kann mir jedoch gut vorstellen, dass KRAV MAGA in der Tat eine Selbstverteidigungsform ist, deren Grundzüge fast jeder – egal ob Mann oder Frau – relativ schnell erlernen kann. Um für einen realen Ernstfall gewappnet zu sein, benötigt man vor allem Training, Training, Training …

Um in irgendeiner Sache gut zu werden, bedarf es eben immer Geduld, Ehrgeiz und Willen. Da stellt KRAV MAGA keine Ausnahme dar.

Ich habe mich heute mit vorsichtigen Schritten KRAV MAGA genähert. Mir ist bewußt, dass noch ein weiter, herausfordernder Weg zu gehen ist.

Mein Tipp an Euch

Habt Ihr bereits des Öfteren darüber nachdachtet, dass Euch Grundkenntnisse einer effektiven Selbstverteidigung nicht schaden könnten? Falls ja – geht einfach mal zu einem KRAV MAGA-Training.

Eine seriöse Kampfsportschule bzw. ein seriöser Trainer wird Euch sicherlich ein kostenloses Probetraining anbieten.

Das Training – so wie ich es kennengelernt habe – kann man mit normalen Sportklamotten absolvieren. Somit ist auch der finanzielle Aufwand sehr übersichtlich.

Ein erwähnenswertes Zitat

Folgendes Zitat stammt vom KRAV MAGA Gründer, Imi Lichtenfeld.

„Don’t get hurt!“ (Verletze Dich nicht!)

Dieses Zitat bringt die Herangehensweise an KRAV MAGA meines Erachtens sehr gut zum Ausdruck.

„Don’t get hurt!“                   

Dies sollte man immer im Hinterkopf haben, sowohl im Training, als auch in einer Notsituation, wenn Selbstverteidigung von mir gefordert ist.

Wann ist es angeraten vorsichtig zu agieren und wann muss ich die Vorsicht ignorieren?

Ich – als blutiger Anfänger – stelle mir diese Entscheidungsfindung sehr schwierig vor.

Selbstverteidigung – kein aktiver Kampf

KRAV MAGA ist eine Selbstverteidigung und KEIN aktiver Kampf!

Bei der Selbstverteidigung entsteht durch den Aggressor eine Situation, in welcher ich folgende Entscheidungen treffen muss:

  • Ist eine Flucht aus der Notsituation möglich
  • Ist eine Flucht aus der Notsituation NICHT möglich

Kann ich mich der Notsituation ohne körperlichen Kontakt entziehen, sollte ich das auch machen – siehe „Don’t get hurt!“.

Ist der körperliche Kontakt unumgänglich, muss mein eigentliches und primäres Ziel das Auflösen einer bedrohlichen Situation sein. Nicht mehr – aber auch nicht weniger!

In welcher Form und mit welcher Intensität ich diese Auflösung der Gefahrensituation angehe, ist vermutlich von der jeweiligen Situation und dem jeweiligen Aggressor abhängig.

Ich muss die Angemessenheit meiner Aktionen immer im Auge behalten! Ansonsten mutiere ich gegebenfalls schnell vom Opfer zum Täter.

Schlußwort                   

Überwindet Euch und schnuppert einfach mal unverbindlich in einen KRAV MAGA-Kurs hinein.

Kommt Ihr aus der Ecke Oberhausen/Duisburg? Dann wäre Freya Geßner sicherlich eine interessante Option für Euch. Ansonsten finden sich bestimmt auch andere, empfehlenswerte Anbieter in der Nähe Eures Wohnortes.

Ich wünsche Euch auf jeden Fall viel Spaß und vor allem allzeit

Don’t get hurt!“

Euer Schulle

 

 

 

 

Kommentar verfassen