CITY-LAUF HAMMINKELN 2018

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 40. City-Lauf Hamminkeln

In diesem Jahr findet in unserer kleinen Stadt Hamminkeln bereits zum 40. Mal der Citylauf statt.

Die beiden Hauptläufe werden über die Distanzen von 5 km und 10 km ausgetragen. Zusätzlich finden Bambini-/Schülerläufe statt und auch Walker gehen in Hamminkeln an den Start.

Da die Laufstrecke als Rundkurs über 2,5 km angelegt ist, wird den Zuschauern beim CITYLAUF-HAMMINKELN einige Action geboten.  Die Läufer kommen des Öfteren (2x bei 5 km / 4x bei 10 km) am Start-/Zielbereich vorbei und können ausgiebig angefeuert werden.

Laufstrecke City-Lauf Hamminkeln
Streckenführung

Jugendlicher Wiederholungstäter

Mein Sohn Felix (Baujahr 2005) zählt auf der 5 km-Strecke mittlerweile zu den Wiederholungstätern beim CITY-LAUF HAMMINKELN. Seine Premiere feierte er 2016 und nimmt nun bereits zum 3. Mal teil.

Felix spielt beim Hamminkelner SV in der C-Jugend Fußball, wodurch ihm das Laufen nicht ganz fremd ist. Seit er denken kann lebe ich ihm Sport (besonders den Laufsport) vor und manches scheint vom Vater auf den Sohn abzufärben.

Bei seinen bisherigen Teilnahmen ließ ich es mir nicht nehmen, Felix auf der Laufstrecke zu begleiten. So soll es auch dieses Jahr sein.

Wohin geht die diesjährige Tempo-Reise?

Felix betreibt noch kein ganzjähriges, spezifisches Lauftraining. Er absolviert immer ein paar Wochen vor dem CITY-LAUF HAMMINKELN ein paar Probeläufe und hofft, damit gut gerüstet zu sein. Sein aktuelles Leistungsvermögen ist somit jedes Jahr ein kleines Überraschungspaket.

 

Bei seiner Premiere (2016) lief Felix 23:46 Minuten. Ein Jahr später (2017) verbesserte er sich bereits auf 22:22 Minuten.

Für dieses Jahr ist seine persönliche Vorgabe, dass er schneller als im Vorjahr ins Ziel kommen will. Diese vage Vorgabe nimmt ihm anscheinend ein wenig Druck und lässt viel Gestaltungsraum in Sachen Renntempo.

Tag X ist gekommen

Gestern Abend vereinbarten wir, dass ich Felix heute gegen 07:30 Uhr wecke.          

Der Startschuss für die 5 km Strecke erfolgt um 09:30 Uhr. Uns bleibt somit genügend Zeit um langsam wach zu werden, ohne Zeitdruck zu frühstücken und sich in Ruhe vorzubereiten.

Schon beim Frühstück ist bei Felix die Aufregung zu spüren. Aussagen wie „Hoffentlich schaffe ich das heute!“, „Hoffentlich geht das heute gut!“ und „Beim nächsten CITY-LAUF HAMMINKELN bin ich besser vorbereitet!“  ertönen in einer Dauerschleife. Zweifel, Aufgeregtheit und Anspannung – diese Begleiter kurz vor dem Start kennt wohl fast jeder Läufer.

Um 09:10 Uhr sind Felix und ich startklar. Unsere Laufschuhe warten bereits ungeduldig vor der Haustür auf ihren Gebrauch.

Nike vs. Asics
David (43) und Goliath (49)

Wir wohnen nur einen Steinwurf vom Veranstaltungsort entfernt, wodurch wir bereits um 09:15 Uhr im Startbereich sind.

Kurzer Exkurs

Nicht wenige Läufer nutzen heutzutage die GPS-Technik zur Tempokontrolle. Felix und ich tragen ebenfalls GPS-Uhren. Felix benutzt meine bereits betagte GARMIN Forerunner 310XT und ich vertraue auf meine heißgeliebte Wanderuhr (GARMIN EPIX).

310XT (links) und EPIX (rechts)

Zu beiden Uhren werde ich demnächst mal einen gesonderten Bericht verfassen. Ich halte beide Uhren, obwohl sie bereits schon lange Zeit auf dem Markt sind, in Ihren jeweiligen Einsatzgebieten für absolute Top-Uhren. Eine Anschaffung kann sich heute noch lohnen – vor allem, wenn man sie günstig gebraucht erwerben kann.

Es wird ernst

Um 09:25 Uhr betreten wir den Startblock und reihen uns recht weit vorne ein. Die Erfahrung der Vorjahre lehrte uns, dass einige Läufer bei Volksläufen dazu neigen, sich nicht immer leistungskonform aufzustellen.

Frei nach dem Motto „Stark beginnen und nach 500 Metern bereits stark nachlassen“ stellen solche Läufer kurz nach dem Start bereits ein Hindernis für schnellere Läufer dar. An engen Stellen, an Bordsteinkanten und in Kurven kann das zu blöden, nicht ungefährlichen Situationen führen.

Kurz bevor der Startschuss ertönt, muss ich Felix noch einmal ganz fest drücken. Ich sehe, dass er bereits absolut auf den Start fokussiert ist. Ich bekomme eine Gänsehaut und weiß, dass ihn der „Tunnel“ gleich verschluckt.

Im Temporausch

Pünktlich um 09:30 Uhr ertönt der Startschuss und die Meute setzt sich in Bewegung.

Adrenalin flutet den Körper, die Beine sind frisch und es läuft wie fast immer – wir sind am Anfang viel zu schnell unterwegs. Felix und ich hatten im Vorfeld eigentlich ein Anfangstempo von 04:25 pro km geplant. Nach km 1 soll Felix in sich hineinhorchen und entscheiden, wie es tempomäßig weitergeht.

So war zumindest der Plan, doch es wäre langweilig, wenn man ihn auch einhält … 😉

Plan vs Realität                    

Wir sind auf dem 1. Kilometer mit einem 04:03 Schnitt unterwegs, was in meinen Augen viel zu schnell für Felix ist. Felix sieht das ein wenig anders und schlägt meine Warnungen in den Wind.

„OK, laufen wir so weiter, wie Du denkst.“ geht es mir durch den Kopf. Ich denke schon einmal 15 Minuten weiter und sehe Felix vor meinem geistigen Auge total ausgepowert und erschöpft Richtung Ziel schleichen.

Km 2 laufen wir zwar einen Tick langsamer (04:10), aber – meiner Meinung nach – noch immer etwas zu schnell für Felix.

Unerwarteter Besuch     

Plötzlich schließt von hinten der Sozialarbeiter aus Felix Schule zu uns auf. Er grüßt Felix und positioniert sich genau vor uns.

Ich erkenne aus dem Augenwinkel, wie es anfängt in Felix zu arbeiten.

„Soll ich Herrn … überholen oder bleibe ich hinter ihm?“

Die Entscheidung trifft Felix recht schnell und wir beschleunigen ein wenig, um an Herrn … vorbeizuziehen. Wie gut ich Felix in diesem Moment verstehen kann! Was gibt es als Kind Schöneres bei einer Laufveranstaltung, als Erwachsene zu überholen – vor allem, wenn man sie kennt!

Mittlerweile beenden wir die 1. Laufrunde und läuten die 2. Hälfte des Laufes ein.

„Wie fühlst Du Dich, Felix?“ will ich wissen.

„Alles gut, Papa!“ erhalte ich als beruhigende Antwort.

Sekt oder Selters                      

Auf der 2. Laufrunde übernehme ich dann die Rolle des Pacemakers für Felix. Er läuft nun leicht versetzt hinter mir und ich erkenne ab km 3,5, dass er sich langsam dem entscheidenden Punkt in diesem Lauf nähert.

Wenn man relativ nah am Limit seines augenblicklichen Leistungsvermögens läuft, kommt meist irgendwann während des Rennens die Phase, in der sich zeigt, aus welchem Holz Du geschnitzt bist.

Es gibt Läufer, die sich der aufkommenden Schwäche ergeben und anfangen das Lauftempo zu drosseln. Es gibt aber auch Läufer, die sich der aufkommenden Schwäche innerlich entgegenstellen und dem Erholungsverlangen des Körpers nicht nachgeben.

Der Pacemaker tritt in Aktion     

In meiner Funktion als väterlicher Pacemaker treffe ich nun die Entscheidung, das recht hohe Tempo auf dem letzten Kilometer beizubehalten.

„Felix, sag einfach, wenn das Tempo bei Dir nicht mehr geht!“.

Ich erhalte als Antwort jedoch nur ein genervtes „Papa, sag doch einfach mal nichts und lass mich in Ruhe!“.

Ich blicke ihm ins Gesicht und sehe, wie er gegen die Erschöpfung ankämpft.

„Nur noch 500 Meter. Ganz klasse Felix!“. Ich halte natürlich nicht meinen Mund. 😀

Das Publikum puscht uns auf den letzten Metern förmlich Richtung Ziel und feuert Felix an. Er findet in irgendeinem Körperwinkel noch ein Fitzelchen Power und quetscht einen Endspurt aus sich heraus. Dann ist es geschafft.

Zieleinlauf von uns ab 4:38 zu sehen …

Abgerechnet wird zum Schluss

Völlig ausgepowert setzt sich Felix kurz hinter Ziellinie auf eine Treppe und gibt sich der Erschöpfung hin. Ich besorge ein paar Becher Wasser und schließe ihn stolz und überglücklich in die Arme.

Ein Blick auf die GPS-Uhren lässt uns beide staunen.

21:05 Minuten (netto) – unglaublich, was für eine klasse Zeit!

Urkunde City-Lauf Hamminkelnoffizielle Ergebnisliste hier

Felix macht den Eindruck, als wenn er das alles noch nicht richtig realisiert hat.

„Wahnsinn Felix, Du hast Deine Zeit aus dem Vorjahr pulverisiert!“ entfährt es mir.

Ein erschöpftes Lächeln macht sich in Felix Gesicht breit. Zufriedenheit, Freude und Stolz halten nun langsam bei ihm Einzug.

Die Sache mit dem Stolz

Es gilt halt noch immer: Der Schmerz geht, der Stolz bleibt!

Auch ich bin mächtig stolz auf ihn. Es freut mich unglaublich, dass Felix sich diese tolle Endzeit auf der Laufstrecke förmlich erkämpft hat. Er hat eine bemerkenswerte Steigerung zum Vorjahr zustande gebracht.

Besonders freut es mich zudem, dass er sich im Rennen bis zum Schluss durchgebissen hat und nicht den Weg des geringsten Widerstandes einschlug.

„Mein Sohn, diese Zähigkeit wird Dir in Deinem Leben sicherlich noch nützlich sein!“ denke ich auf unserem Heimweg und lege meinen Arm stolz auf seine Schulter.

Nach dem Lauf ist vor dem nächsten Lauf

Mittlerweile ist bereits ein halber Tag ins Land gegangen. Felix schwebt augenblicklich noch auf einer Wolke der Euphorie.

Er schmiedet bereits Pläne für den CITY-LAUF HAMMINKELN in 2019.

Ich befürchte, hieran bin ich nicht ganz unschuldig. Ich äußerte ihm gegenüber kurz nach dem Lauf, dass die magische 20:00 Minuten-Marke in absehbarer Zeit für ihn möglich sein könnte und ich dann langsam an meine läuferischen Grenzen stoße.

Ausblick

Der Gedanke, seinen Vater im Wettkampf zu schlagen, kann bekanntlich ein unglaublicher Motivator sein.

Felix will nun unbedingt regelmäßiger trainieren und plant zumindest für das nächste halbe Jahr eine Laufeinheit pro Woche. Zudem beabsichtigt er, sich auf den CITY-LAUF HAMMINKELN 2019 intensiver vorzubereiten, als er es in diesem Jahr getan hat.

Hoffnung                             

Ich hoffe nun, dass dieses Vorhaben ab morgen wieder ein wenig in seinem Kopf verblasst. Ansonsten würde die läuferische Wachablösung im Hause Schulz nicht mehr sehr lange auf sich warten lassen.

Alles hat seine Zeit – irgendwann hängt Dich Dein Sohn ab und empfängt Dich im Ziel lächelnd mit einem Becher Wasser in der Hand.

Eigentlich ein schöner Gedanke …

Dreamteam: Junior und Senior

Felix und ich freuen uns bereits jetzt schon auf den CITY-LAUF HAMMINKELN im nächsten Jahr. Es ist eine toll organisierte Veranstaltung, die jedes Mal mit sehr viel Herzblut auf die Beine gestellt wird.

Liebe Grüße,

Euer Schulle

 

 

 

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