Duisburg/Köln – warum nicht mal zu Fuß?

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Freundschaften müssen gepflegt werden. Aus diesem Grunde zieht es mich ungefähr 3 Mal pro Jahr nach Köln in die Südstadt.

Dort lebt ein lieber Mensch, der mich bereits seit meinen Jugendtagen durchs Leben begleitet.

Üblicherweise setze ich mich ins Auto und düse über die A57 nach Köln. Augenblicklich befinde ich mich jedoch in der Vorbereitungsphase  auf die „EXTREM-EXTREM“-Wanderung (Link hier), welche diesjährig zum 3. Mal im Sauerland veranstaltet wird.

Um das Gute (Besuch in Köln) mit dem Nützlichen (Training) zu verbinden, kam mir diesmal eine interessante Anreisealternative in den Sinn.

Inspiriert von meinem heimischen Kalender mit Wandersprüchen, beschloss ich ein Teilstück der Strecke zu Fuß zurückzulegen.

„Nur wo Du zu Fuß warst, bist Du auch wirklich gewesen.“ (J. W. von Goethe)

Mit diesem Leitgedanken im Hinterkopf stieg ich in die konkreten Planungen der Wanderung ein.

Letztlich entschied ich mich für einen Startpunkt am Duisburger Hauptbahnhof. Zwischen mir und meinem Kölner Freund lagen somit knapp 67 Kilometer, die „per pedes“ entdeckt werden wollten.

67 km zwischen Duisburg Hbf und Kölner Südstadt

„Das wird bestimmt interessant und ist ein schönes Training!“ ging es mir spontan durch den Kopf, als ich die fertige Strecke nochmals am heimischen Rechner betrachtete.

Samstag, 09.03.2019

Der Tag beginnt bereits um 4:30 Uhr. Nach einem gemütlichen Frühstück und dem Packen meines Rucksacks, steige ich ins Auto und erreiche gegen 06:15 Uhr das Parkhaus am Duisburger Hbf.

Ich durchlaufe noch kurz mein Vorbereitungsritual und creme die Füße mit einer ordentlichen Portion Hirschtalg-Creme ein. Gegen 06:30 Uhr begebe ich mich an meinen Startpunkt.

Köln – ich komme

Ein beginnender Tag – vor allem am Wochenende – hat für mich immer einen besonderen Zauber. Es herrscht noch eine angenehme Ruhe und der lebendige Trubel hält in ganz kleinen Schritten Einzug.

Mein Weg führt mich zunächst durch das Duisburger Stadtgebiet.

    

Ich durchquere die Stadtteile Neudorf, Wedau, Großenbaum und Buchholz. Teilweise bin ich parallel und in Sichtweite zur Bahnlinie unterwegs.

Gegen 7:30 Uhr laufe ich am „Karl-Dölzig-Platz“ vorbei. Hier ist der TUS Viktoria Buchholz zuhause. Wie es der Zufall so will, ist die Viktoria in dieser Saison einer der Gegner unseres Hamminkelner SV in der Fussball-Bezirksliga.

Unterwegs fallen mir die ersten Farbtupfer der Natur ins Auge. Der Frühling klopft bereits zaghaft an die Tür.

 

10 Kilometer liegen bereits hinter mir, als ich in Rahm endlich die Bahnlinie unterquere.

Kurze Zeit später wird es ländlicher. Das dicht bebaute Duisburger Stadtgebiet liegt nun erst einmal hinter mir.

       

Es geht an Angermund vorbei und ich habe ein klares Zwischenziel vor Augen.

Auf zum Rheinufer

Sobald ich den Rhein bei Düsseldorf überquere, wird die erste Hälfte meiner Wanderung geschafft sein. Bis dahin sind es allerdings noch einige Kilometer.

Immer wieder gibt es interessante Dinge am Wegesrand zu entdecken.

In Kaiserswerth erhalte ich dann auch endlich ein weiteres Motiv für meine persönliche Hundeschildersammlung.

Das ist mittlerweile ein fester Bestandteil meiner Wanderungen. Hundeschilder (natürlich nicht alle) werden fotografiert.

In Kaiserwerth lege ich nach knapp 4 Stunden Wanderzeit an einer ARAL-Tankstelle auch meinen ersten Zwischenstopp ein.

Mein Wasservorrat wird aufgestockt und ein Käffchen muss her.

Auch zwischen den Düsseldorfer Stadtteilen Stockum und Golzheim gibt es etwas für die Fotolinse.

Nach 24 Kilometern stehe ich endlich am Düsseldorfer Rheinufer.

Gevatter Rhein

Das Wetter ist heute nicht sonderlich einladend. Der Wind weht sehr stark und es herrscht ein stetes Wechselspiel zwischen Regenwolken und freundlicheren Abschnitten.

Jetzt, gegen 11 Uhr, sind trotzdem einige Jogger und Spaziergänger an der Promenade unterwegs. Sehr lobenswert! 😃

Nach 4 weiteren Kilometern kehre ich dem Rheinufer zunächst wieder den Rücken und stiefele durch Unterbilk Richtung Rheinbrücke.

Halbzeit und Erkenntnis

Mit Überquerung des Rheins, befinde ich mich auf der „richtigen“ Rheinseite meiner Wanderung.

Schilder am Wegesrand weisen auf die nächsten Etappenziele hin.

Hinter Uedesheim geht es nochmals direkt am Rhein entlang.

Wenig später betrete ich den Gehweg an der Bundesstraße 9 (B9).

Mit einem Blick auf mein Navigationsgerät wird mir bewusst, dass ich bei meiner Streckenplanung das Hauptaugenmerk auf die kürzeste Strecke von Duisburg nach Köln gelegt hatte. Auf was für Wegen ich unterwegs sein werde fiel dabei etwas unter den Tisch.

Das rächt sich nun ein wenig. Die B9 wird auf den nächsten 20 Kilometern meine ständige Begleiterin sein.

„Zum Glück ist heute Samstag und nicht ganz so viel Verkehr unterwegs.“ versuche ich mir diesen Umstand schön zu reden.

Dormagen                           

Als ich das Randgebiet von Dormagen erreiche, bin ich mittlerweile schon 7 Stunden unterwegs.

Der Wind ist zwischenzeitlich wirklich heftig geworden und unterwegs begegnen mir einzelne Opfer dieser starken Böen.

Manch niedlicher Geselle hält seine Nase trotzdem gelassen in den Wind.

Ab Dormagen geben sich Regenschauer und sonnige Abschnitte die Klinke in die Hand.

Aber auch das Kind im Manne wird bedient. Für ein paar Minuten beobachte ich eine Schiffsentladung.

Immer weiter an der B9 entlang

Das ständige Entlanglaufen an der B9 habe ich mir nerviger vorgestellt. Die Strecke ist wirklich recht abwechslungsreich und kurzweilig.

Langsam erkennt man auch, dass sich Kölner Gefilde ankündigen.

    

Mein Schlachtplan ist klar umrissen: Zunächst wird Fühlingen gestürmt und dann fällt Köln …

Im stündlichen Wechsel gönne ich mir belegte Brötchen und selbstgemachte Müsliriegel (Rezept hier).

Nä wat lecker …

Ich komme an Kölner Stadtteilen vorbei, die ich noch nie gehört habe: Seeberg, Weidenpesch, Mauenheim.

Und immer wieder schlägt das Männer-Herz etwas höher.

Kölle am Rhing

Als ich den Stadtteil Nippes unter den Füßen habe, zieht die Erkenntnis in mir ein, dass ich in knapp einer Stunde am Ziel bin und die Klingel in der Mainzer Straße drücken werde.

Ich steuere nochmals eine Tankstelle an und gönne mir ein Käffchen für den Endspurt.

Obwohl ich bereits 11,5 Stunden unterwegs bin, läuft es sich noch recht geschmeidig – ein gutes Zeichen im Hinblick auf den EXTREM-EXTREM Ende Juni.

In der Kölner Innenstadt erwischt mich dann aber auch der erste richtig üble Regenschauer dieses Tages.

Vorbei an Kölner Urgesteinen

stehe ich dann um 18:26 Uhr vor ihm.

immer wieder ein imposanter Anblick

Ab hier sind es noch 3 Kilometerchen mitten durch die Innenstadt. Ich zwänge mich mit meinem Rucksack durch die proppenvolle Fußgängerzone und erreiche um Punkt 19:00 Uhr – nach 12 Stunden und 30 Minuten – die Mainzer Straße in der Kölner Südstadt.

Ausklang

„Da ist ja der Verrückte!“

Mit diesen Worten werde ich von meinem Freund begrüßt und in die Arme geschlossen.

Unser übliches Begrüßungsritual (Kölsch und Gin-Tonic) lassen wir dieses Mal ausfallen.

Stattdessen gibt es jede Menge stilles Wasser und Magerquark. Nach der stundenlangen Kohlenhydrat-Verpflegung dürstet es mich förmlich nach Eiweiß.

„Jetzt noch schnell duschen und dann die Beine hoch!“

Die Duschsitzung ist wirklich eine Wohltat.

Als der Körper dann erst einmal auf der Couch zur Ruhe kommt, melden sich recht schnell die Körperstellen, welche arg beansprucht wurden und nun eine Extraportion Regeneration benötigen.

Folglich ist mein Gangbild für den Rest des Abends etwas unrund.

Wir bestellen noch 2 leckere Pizzen und gammeln den Rest des Abends einfach nur herum.

Gegen 1:00 Uhr schluffe ich ins Bett und mir fallen augenblicklich die Augen zu.

Der Tag danach

Nach einem opulenten Frühstück begebe ich mich gegen 11:45 Uhr auf den knapp  3 km langen Fußweg zum Kölner Hbf, um den Zug nach Duisburg zu nehmen.

Die regenerativen Bauarbeiter meines Körpers haben über Nacht einen super Job gemacht. Bis auf ein leichtes Zwicken im linken Kniebereich, läuft es sich schon wieder wunderbar.

Köln Hbf
                                                                                    Köln Hbf

Ab Duisburg begebe ich mich noch auf einen kurzer Ritt über die A3 und gegen 14:30 Uhr begrüßt mich die Ortseinfahrt von Hamminkeln.

Ich bin zurück in meiner Heimat – immer wieder ein schönes Gefühl.

„Gehe in die Welt, um zu erfahren, was Heimat ist.“ (Carl Peter Fröhling)

Ich war dann mal wieder unterwegs …

Euer Schulle

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