BIGGESEE – 55 traumhafte Wanderkilometer

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Obwohl der Biggesee im Naturpark Sauerland-Rothaargebirge liegt, war er bisher niemals Bestandteil meiner unzähligen Wandertouren in sauerländischen Gefilden. Das soll sich nun ändern …

Biggesee
wenig See – viel Steg

Ein Arbeitskollege (hallo Robert 😃 ) erzählte mir kürzlich, dass er Karfreitag an einer geführten 40 km-Wanderung am Biggesee teilnehmen wolle. Das weckte natürlich mein Interesse.

Ich schaute mir seine Wanderroute an und dachte: „OK, ich nehme Roberts 40 Kilometer, baue noch eine schöne, höhenmetergeschwängerte Schleife mit ungefähr 15 Zusatzkilometern ein und fertig ist meine kleine Trainingswanderung.“

Anmerkung am Rande: Vom 27.06. – 29.06.2019 folge ich dem Ruf des „EXTREM-EXTREM 2019“, einem der schönsten Nonstop-Weitwanderevents in Deutschland (Link HIER). Daher erklärt sich der erhöhte Streckenumfang. 

Der Biggesee sollte es Karfreitag also werden. Ich setzte mich daheim an den Rechner und plante auf GPSies die genaue Streckenführung.

Runde Biggesee
54 km mit ca. 1.500 Höhenmetern

Robert und ich vereinbarten, dass wir uns Karfreitag irgendwo auf der Strecke treffen. Seine Gruppe läuft im Uhrzeigersinn und ich werde entgegengesetzt unterwegs sein – Treffpunkt also irgendwo im Nirgendwo.

Karfreitag

Der Wecker schellt zuverlässig um 05:15 Uhr.

„Das wird ein langer aber bestimmt wunderbarer Tag!“ geht es mir noch im Bett durch den Kopf.

Irgendwie trödel ich ein wenig herum und bin erst um 06:30 Uhr startklar.

Nach 165 staubefreiten Autobahn-Kilometern erreiche ich gegen 08:15 Uhr den Wanderparkplatz, der meinen heutigen Start- und Zielpunkt markiert.

Es wird noch gemütlich ein Käffchen getrunken, die Füße bekommen eine ordentliche Portion Hirschtalgcreme und es werden ein paar Nachrichten in die virtuelle Welt versendet.

Gegen 8:40 Uhr schultere ich meinen Rucksack und es geht los.

Das Wetter ist bereits am frühen Morgen absolut traumhaft. Gleich auf den ersten Metern erahne ich, was für schöne Momente der Biggesee am heutigen Tag für mich bereithalten wird.

Biggesee

Biggesee

Die ersten Kilometer bis Bremge führen mich, aufgrund der noch tiefstehenden Morgensonne, durch einige schattige und somit erfrischend kühle Waldstücke.

  

In Bremge startete Roberts Wandergruppe heute Morgen bereits um 08:00 Uhr, allerdings in entgegengesetzter Richtung.

„Naja, irgendwo und irgendwann werden wir uns unterwegs schon treffen …“

  Fachwerk Bremge am Biggesee

Direkt hinter Bremge entferne ich mich zunächst vom Biggesee und begebe mich auf die höhenmetergeschwängerte Zusatzschleife, welche ich in meine Wanderroute eingebaut hatte.

Wanderung Biggesee 

Mich beschleicht in sonnigen Abschnitten ein mulmiges Gefühl. Ich fühle mich von einem komischen Typen beschattet, der mir zudem noch völlig lautlos auf Schritt und Tritt folgt.

 irgendwie kommt er mir bekannt vor …

Die Gegend ist wirklich sehr abwechslungsreich und bietet unzählige Fotomotive.

 

Umgebung Biggesee

Kleiner Exkurs:

Ich wurde in letzter Zeit häufiger darauf angesprochen, was ich beim Wandern als Wegzehrung empfehlen kann.

Hier 3 Tipps:

Wenn Ihr gemütlich wandert, ist das Thema „Ernährung“ nicht so kompliziert, wie z.B. im ambitionierteren Lauf-  oder Radsport, wo der Magen und der Darm teilweise sehr sensibel auf Fehler in der Verpflegung reagieren können.    

  1. Egal was Ihr mitnehmt – es MUSS Euch schmecken!
  2. Meine Favoriten sind selbstgemachte Müsli-/Energieriegel (Rezept HIER) und die Klassiker in Form von belegten Broten oder Brötchen. Erlaubt ist eigentlich alles, was Euch Energie gibt, Eure Geschmacksknospen erfreut und gut verdaulich ist. 
  3. Als Getränk nehme ich immer stilles Wasser, also ohne Kohlensäure. Es ist aber grundsätzlich auch nichts gegen Saftschorlen einzuwenden, wenn Ihr pures Wasser nicht in ausreichender Menge runterbekommt. Achtet hier nur darauf, dass Ihr den Saftanteil recht gering haltet.

Nach 2 Stunden gönne auch ich mir den ersten kulinarischen Genuss – ein leckeres Käsebrot.

Zufrieden auf meinem Schnittchen herumkauend blicke ich in den strahlendblauen Himmel und denke mir: “Man, bin ich ein Glückspilz!“

Natur pur am Biggesee

Zwischendurch sorgen Verkehrsschilder immer wieder für eine grobe Orientierung.

Meine Route führt nun wieder zurück zum Biggesee. Auf teilweise urigen Waldpfaden genieße ich die Stille des Waldes, das Zwitschern der Vögel und die Geräusche des Windes, wenn er durch die Baumwipfel streift.

  

Trotz GPS-Unterstützung ist man nicht davor geschützt, ab und an mal durchs Unterholz zu stapfen oder den Weg vor lauter Bäumen nicht zu sehen. Das sind die Momente, wo das Salz in die Wandersuppe kommt und sie erst so richtig geschmackvoll wird …

 

Nach 15 Kilometern und 3 Stunden Wanderzeit erreiche ich wieder den Biggesee.

Biggesee

Biggesee

Hier findet sich auch der Biggedamm.

 

Diese Stelle markiert das Ziel von Roberts heutiger Wanderung.

Biggedamm
Blick auf den Biggedamm

Ich lege kurz einen Halt ein und gönne mir meinen zweiten Snack.

Hmmm – selfmade und heute mal mit Granatapfel (die roten Dinger 😎)

Da die Mittagssonne nun doch recht ordentlich vom Himmel „plästert“,  wird Lichtschutzfaktor 30 aus dem Rucksack gezaubert.

Nun kann es weitergehen.

Die Route führt mich recht schnell wieder etwas vom See fort. Dieses Wechselspiel zwischen See-Panorama und Wald-/Wiesengebiet ist wirklich phänomenal und äußerst kurzweilig.

Umgebung Biggesee

 

Roberts 40 km-Route führt übrigens komplett über ein Teilstück des Bigge-Lister-Wegs (Link HIER).

Somit erfreue auch ich mich regelmäßig an diesen hellblauen Markierungsschildern.

 

Zwischendurch geht es auch mal durch kleine Ortschaften und vorbei an bunt blühenden Vorgärten.

 

Nach ca. 5,5 Stunden laufe ich durch das verschlafene Örtchen Herpel. In einiger Entfernung sehe ich eine Gruppe Wanderer auf mich zukommen.

„Ob das Roberts Gruppe ist?“

Noch ist die Gruppe zu weit weg, doch beim Näherkommen sticht mir ein unverwechselbares Detail bei einem Gruppenmitglied ins Auge.

„Gelbschwarze Kniestrümpfe – das kann nur Robert sein!“ freue ich mich.

In der Tat ist es Robert. Mit seinen mindestens 195 cm Körpergröße ist er eh schwer zu übersehen, aber diese Borussia Dortmund Strümpfe … echt der Knaller! 😂

Wie bei Männern üblich, die wichtige Dinge erledigen müssen und noch große Aufgaben vor sich haben

  • kurzer Plausch
  • Selfie     
  • die besten Wünsche für den Rest der Strecke

und weiter geht es.

Zwischen den Orten Erpel und Sondern bietet der Bigge-Lister-Weg höchst interessante Waldpassagen. Es handelt sich um die KuLTour (Link HIER), eine wunderbare Symbiose von Kunst und Natur.

Auf mehreren Kilometern des Wanderwegs gibt es in regelmäßigen Abständen interessante Objekte am Wegesrand zu entdecken.

   

Vor allem wird mir hier der Beweis erbracht:

„Big Tree is watching you!“

Sehende Bäume am Biggesee      Sehende Bäume am Biggesee

Mittlerweile bin ich 7 Stündchen unterwegs und fühle mich noch immer spitzenmäßig. Es ist nun fast windstill und die Nachmittagssonne lässt diese tolle Gegend in einem wunderbaren Licht erscheinen.

 

Nicht nur bei mir am Niederrhein ist die Welt der Kühe noch in Ordnung. Auch hier im Sauerland grast es sich anscheinend vorzüglich.

Da heute Karfreitag ist, darf natürlich auch ein christliches Fotomotiv nicht fehlen.

Als ich kurz vor Olpe bin, erhalte ich von Robert eine Nachricht auf mein Handy:

„Zieleinlauf!“

 Die schwarzgelbe Bergziege … 😃

Er hat anscheinend mit seiner Gruppe die 40 Kilometer bravourös gemeistert und den Biggedamm erreicht. Wohlverdientermaßen lässt er es sich nun gutgehen. Selbstverständlich setzt er mich mit einer zweiten Nachricht auch darüber in Kenntnis.

„Na dann Prost – hast Du Dir verdient, mein Lieber!“ freue ich mich mit ihm.

„Ich darf dafür aber noch locker 3 Stunden dieses kleine Paradies genießen!“ schmunzel ich ein wenig in mich hinein und sauge die wunderbaren Natureindrücke in mich auf.

Ab Olpe sind es noch knapp 10 Kilometer bis zu meinem Parkplatz.

Auf diesen 10 Kilometern will der Biggesee anscheinend nochmals einen bleibenden Eindruck hinsichtlich seiner Schönheit bei mir hinterlassen.

Biggesee
Nä, wat is dat schön …

Ich über- und unterquere große und kleine Brücken.

Brücke Biggesee  Brücke Biggesee

An einer Brückenunterführung weckt ein Graffiti meine Aufmerksamkeit.

„Farbe ins eigene Leben bringen“ ist in meinen Augen ein elementares Thema im Leben eines jeden Menschen. Unser Leben sollte mehr sein, als das Verwalten unserer Alltagspflichten. „Grau in Grau“ muss nicht sein – es gibt so tolle andere Lebensfarben …

Wir dürfen die Farben unseres Lebensanstrichs frei wählen – das ist in meinen Augen ein wahnsinniges Privileg und birgt enormes Potential!

Sobald wir den Farbpinsel in unserem Leben schwingen, halten zwangsläufig mehr Begeisterung, Freude und Zufriedenheit Einzug in uns.

Viel Spaß beim Renovieren! 😎

Auf den letzten Kilometern warten auch noch ein paar knackige Anstiege auf mich.

  

„Hier ist Robert heute Morgen auch langgelaufen, allerdings von oben nach unten …“ kommt es mir plötzlich in den Sinn. Ich male mir aus, wie Robert heute Morgen – so gegen 09:30 Uhr – diese Passage mit noch ordentlich Power in den Beinen und fröhlich pfeifend bergab lief. Wahrscheinlich hat er überhaupt nicht wahrgenommen, wie steil und langgezogen diese Passage ist.

„Ich pfeife auch gerade – allerdings nach über 45 Kilometern eher aus dem letzten Loch!“ 😀

Humor ist halt, wenn man trotzdem lacht …

Irgendwann erreicht man fast immer den Gipfel eines Hügels. Oben angekommen werde ich mit einem phantastischen Ausblick belohnt.

Abendstimmung Biggesee

Zudem begegnet mir völlig unverhofft noch Hermann Hesse.

Herman Hesse am Biggesee

Ungeschriebenen Gesetzen folgend kommt nach einem „bergauf“ auch immer wieder ein „bergab“. Die letzten 5 Kilometerchen laufen sich entsprechend geschmeidig.

Unentwegt gibt es etwas am Wegesrand zu entdecken.

Skuriles am Biggesee 

Völlig unverhofft muss ich mich kurz vor dem Ziel meiner Wanderung auch noch mit „Political Correctness“ auseinandersetzen.

 

Nicht nur Vor- und Familiennamen können eine Strafe sein … 😉

Einmal geht es noch übers Wasser.

Dann ist es geschafft! Nach 10:45:00 Stunden, 54 Kilometern und knapp 1.500 Höhenmetern stehe ich gegen 19:30 Uhr doch tatsächlich wieder auf dem Wanderparkplatz, wo dieser sensationelle Biggesee-Wandertag heute Morgen begann.

Erst einmal hinsetzen, die Schuhe ausziehen und den Augenblick der Ankunft genießen.

Diese doppellagigen Wandersocken von WRIGHTSOCK kann ich Euch übrigens wärmstens empfehlen. In Kombination mit Hirschtalgcreme unschlagbar im Kampf gegen unerwünschte Blasen!

Wenig später werfe ich den Motor an und düse zurück in die Heimat.

Während der Rückfahrt lasse ich den Tag nochmals Revue passieren. Letztlich komme ich zu dem Ergebnis, dass die heutige Wanderung eine der schönsten war, die ich bisher im Sauerland unternommen habe.

Hier stimmte wirklich alles – tolles Wetter, wahnsinnig schöne und abwechslungsreiche Landschaft und auch die Kombination aus Streckenlänge/Schwierigkeitsgrad der Route war sehr harmonisch (nicht zu fordernd und nicht zu lasch).

Um 21:30 Uhr schließe ich die Haustür auf und springe sogleich unter die langersehnte Dusche.

Einige Stunden später liege ich im Bett und muss nochmals an das Graffiti denken, welches mir heute an einer Unterführung ins Auge fiel.

„Mensch, was bin ich doch ein Glückpilz, dass mir das Leben solch eine reichhaltige Farbpalette zur Verfügung stellt!“

Die Augen fallen zu und DerSchulle bricht zu einer weiteren Wanderung auf – diesmal im Land der Träume …

THE END

 

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