45 km rund um Warstein (Sauerland)

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Das Jahr 2019 hat nun bereits einige Tage auf dem Buckel. Damit meine diesjährigen Outdoor-Highlights keine Rohrkrepierer werden,  müssen meine Beine und Füße langsam und gemächlich auf das vorbereitet werden, was ihnen Mitte 2019 abverlangt wird. Aus diesem Grund ging es letztes Wochenende ins Sauerland. Diesmal fiel meine Wahl auf die Stadt Warstein. Ja genau – da wo das Bier herkommt … 😁

Wanderung Warstein

Es geht los

Laut der Planung am heimischen Rechner (Portal: GPSies) sollen es diesmal rund 44 km mit knapp 1.000 hm werden. Die Praxis lehrte mich jedoch in der Vergangenheit, dass es unter realen Bedingungen meist 1 bis 2 km mehr sind.

Mal kurz überschlagen: 45 km bei einem Schnitt von 5,0 km/h bedeutet eine reine Wanderzeit von 9:00 Stunden.

Nach 1:45 Stunden Fahrt erreiche ich um kurz vor 9:00 Uhr meinen Parkplatz in Warstein.

Ich suche mir bei der Planung meiner Wanderungen meist Parkplätze an Kirchen oder Friedhöfen aus, da man dort unkompliziert Parkmöglichkeiten findet.

Den obligatorischen Kaffee trinke ich noch schnell im Auto und erfreue mich an den ersten Sonnenstrahlen. Die Temperaturen liegen am Gefrierpunkt.

Um 09:10 Uhr breche ich auf. Nach wenigen Minuten muss ich jedoch die erste Pause einlegen.

Ich stehe an einem Grundstück, dessen Besitzer anscheinend ein eingefleischter Miniatur-Eisenbahner ist. Das muss ich mir genauer anschauen.

Nach einem Kilometer verlasse ich langsam aber sicher das besiedelte Warsteiner Stadtgebiet und werde von angenehmer Stille und Einsamkeit in Empfang genommen.

    

Mir fällt schon zu Beginn meiner Wanderung auf, dass mir rund um Warstein vermutlich viele Bäche zu Gesicht kommen werden.

          

Auf den Gehwegen ist teilweise Vorsicht geboten, da es auf zugefrorenen Pfützen schnell zu ungewollten Rutschpartien kommen kann.

Pfütze gefroren
irgendwie schön – aber auch verdammt rutschig …

Nach knapp 10 Kilometern stoße ich auf ein kleines, nasses Problem. Vor mir fließt ein knapp 4 Meter breiter Bach.

Verdammt – wo sind die Gummistiefel?

Springen ist keine Option.

„Wie soll ich hier trockenen Fußes rüber kommen?“ geht es mir durch Kopf.

Es ragen zum Glück ein paar Steine aus dem Wasser und ich versuche mein Glück einfach mal.

Dank meiner wasserdichten Asics FujiTrabuco bleibt mein Abrutschen am vorletzten Stein ohne Folgen und die Socken sind weiterhin trocken.

Das Wetter meint es heute wirklich gut mit mir.

Vorbei an kleinen Gewässern im Wald und weiteren Bachläufen,

erreiche ich die erste denkwürdige Stelle am heutigen Tag.

Die Recherche, wer dieser ominöse Joh. Fr. Borchatz gewesen ist, überlasse ich Euch … 😉

“Vom Baum erschlagen zu werden ist natürlich verdammtes Pech.“ denke ich mir und erfreue mich meinerseits – zum Glück sehr lebendig – am blauen Himmel.

Der Wunschzettel

Gedanklich bin ich heute oftmals bei den Outdoor-Vorhaben, die bis jetzt noch unrealisiert auf meinem 2019er-Wunschzettel schlummern.

Das wären:

  • Die Teilnahme am „Extrem-Extrem“, welcher dieses Jahr vom 27.06. bis zum 29.06. im Sauerland stattfindet (hier mein Bericht aus 2018).
  • Eine 5-tägige Solo-Trekkingtour am Gardasee in bergigem Terrain.

Meine heutige Wanderung stellt den Anfang der Vorbereitungsphase auf den „Extrem-Extrem“ dar. Bis Ende Juni werden noch einige Trainings-Wanderungen dazukommen. Alle 3 bis 4 Wochen ist ein „langer Schinken“ geplant. Die jeweilige Streckenlänge wird während der Vorbereitung sukzessive bis auf 65 höhenmetergeschwängerte Kilometer ausgedehnt.

Dann kann Ende Juni das 156 km-Monster mit seinen 3.200 Höhenmetern kommen … 😎

Plötzlich werde ich durch die zweite denkwürdige Stelle des heutigen Tages aus meinen Gedanken gerissen. Ein Kreuz am Wegesrand zieht meinen Blick auf sich und ich schaue mir das beiliegende Foto genauer an.

Auf dem Kreuz kann man noch ganz schwach den Namen RAINER erkennen.

Mein Blick senkt sich wieder auf das Bild und ich stelle mir die Frage, wer aus der Gruppe wohl Rainer war.

„RIP Rainer!“ geht es mir durch den Kopf und ich setze meinen Weg fort.

Wieder steht eine Bachquerung an,  allerdings diesmal mit kleiner Brücke.

… immer wieder schön!

Ich lasse meinen Gedanken wieder freien Lauf und genieße weiterhin die schönen Eindrücke um mich herum.

   

Nach 25 Kilometern erreiche ich den kleinen Ort Föckinghausen und entdecke dort ein recht idyllisch liegendes Schullandheim.

Auf einsamen, teils schneebedeckten Wegen ziehen die Kilometer an mir vorbei.

Es offenbart sich die Schönheit der kleinen Dinge am Wegesrand.

Und es ist erneut Zeit für eine Bachquerung, allerdings auch hier wieder mit Brücke …

     

Richtung Ziel

Knapp 10 Kilometer liegen noch vor mir. Da es bereits 16:00 Uhr ist, werde ich das Auto erst im Dunkeln erreichen. Allerdings bedeutet dies auch, dass mir wahrscheinlich noch ein schöner Sonnenuntergang geboten wird.

Die Wege werden nochmals etwas unwegsamer

und dann passiert genau das, was einem bei Dunkelheit einige Probleme bereiten kann – ich komme von meinem Track ab.

… und nun?!

Plötzlich stehe ich mitten im Wald und kann keinen Weg mehr erkennen. Zum Glück ist es noch nicht dunkel! Ich hätte aber zur Not auch eine Stirnlampe – meine kleine, mich stets treu begleitende „PETZL Tikkina“ – in der Hinterhand.

„Dann gehst Du mal grob in die Richtung, die Dir Deine GARMIN-Uhr anzeigt. Irgendwo da hinten muss auch wieder ein Weg kommen!“ mache ich mir Mut.

So ist es dann auch. Nach 200 Metern bin ich wieder auf einem Pfad, allerdings mit ein paar fiesen Stolperfallen.

„Hier möchte ich nicht im Dunkeln lang müssen …“ denke ich insgeheim und stapfe weiter Richtung Warstein und somit Richtung Auto.

Noch ein kleiner Fotostop am Wegesrand

             

und dann stehe ich am „Hochwasserrückhaltebecken Widey“.

Ein paar Stufen hinauf

und dann erkenne ich SIE im langsam schwindenden Tageslicht – die Warsteiner Brauerei.

Hier wird lecker Bierchen gebraut 😍

Wieder ein paar Stufen hinab

und nun dem Sonnenuntergang entgegen.

 

„Nä, wat is dat schön!“

Kurz bevor die Sonne weg ist, geht es natürlich noch einmal über wildes Wasser.

Es wird dunkel

Gegen 17:30 Uhr ist die Sonne dann vollends verschwunden.

Da ich zu faul bin meine Stirnlampe herauszukramen, laufe ich die letzten 2 Kilometer als dunkler „Wanderschatten“ durch die Gegend.

Kurz vor 18:00 Uhr komme ich dort an, wo der heutige Wander-Spaß vor 9 Stunden begann.

Mittlerweile hat es sich auf minus 4 Grad abgekühlt und ich freue mich regelrecht auf die wohlige Wärme der Autoheizung.

„Jetzt schnell zurück in die Heimat!“

Das Navi wird eingeschaltet und es geht zurück an den Niederrhein.

Mit einer tiefen Dankbarkeit im Herzen, dass ich wieder einmal solch einen wunderbaren Wandertag erleben durfte, gleite ich über die Autobahn und denke unentwegt an ein Zitat, dass mir vor Kurzem begegnete.

„Wandern ist kinderleicht. Es ist allen zugänglich – jung, alt, arm, reich, männlich, weiblich. Einen persönlichen Stil bildet jeder Wanderer, jede Wanderin von selbst aus. Einfach losgehen. Entscheidend ist nicht das Logo an der Jacke. Offen sein, durchlässig werden für die Einflüsse von Natur und Landschaft und nicht zuletzt für die innere Stimme. Unterwegs die Pforten der Wahrnehmung möglichst weit öffnen. Für die Blickachsen, Duftfelder, Klangräume, in die man eintaucht. Unsere Sinne, die im urbanen Alltag verkümmern, wieder schärfen – darauf kommt es an. Strapazen und die Bereitschaft, manchmal bis an die eigenen Grenzen zu gehen, gehören durchaus dazu. Essenz des Wanderns ist das Erlebnis von Freiheit: Ich verfüge souverän über Raum und Zeit.“              (Ulrich Grober, deutscher Journalist und Autor)

In diesem Sinne,

Euer Schulle

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